Tonga

Als erste Nation im neuen Tag- an der Datumsgrenze

20./22. Juli, Neiafu, Vava'u und Nuku'alofa, Tongatapu

Die Nacht war eher kurz. Und wir verloren einen ganzen Tag. Um 1245 hatte uns der Wake-up Call bei Aggie's geweckt.. Der Transfer zum Flughafen durch die immer noch laue, feuchte Nacht. Im Flughafenkiosk finden wir doch noch die CD von der Number One Band in Savai'i - und anscheinend auch ganz Samoa , Le Eva Eva. Ein Lied dieser Band hatten wir die ganze Zeit auf Samoa wieder gehört - jetzt haben wir es doch noch gefunden und können es als Souvenir mit nach Hause nehmen. Flug NZ 57 von Los Angeles fliegt pünktlich ein. Boarding am einzigen Ausgang: es gibt ja nur einen Flug zu dieser Zeit. Dann schwärmen wir Passagiere alle übers beleuchtete Rollfeld zur Gangway, schwüle, feuchte Luft und das summen des Hilfsaggregates. Deja-vu: Wieder die gleichen Sitzplätze wie vor einer Woche - und vor uns wieder die stummen Oesterreicher auch auf den gleichen Plätzen. Eineinhalb Stunden Flug über den Tonga Graben (The Tonga Trench, 10000 Meter tief, Paradies jedes Tiefseegeologen) dann über Vava'u , und schon landen wir auf Tonga. Allerdings ist es jetzt bereits Donnerstag - wir verpassten an der Datumslinie den ganzen Mittwoch. Vorher waren wir immer etwa 12 Stunden hinter unseren Lieben in der Schweiz zurück. Nun sind wir 12 Stunden voraus und auf der Suche nach dem verlorenen Tag! Nur etwa 30 Personen mit uns am Immigration Schalter - auch hier wieder diverse Formulare - und freundliche Zollbeamte, technologisch auf neuestem Stand: Die Pässe werden gescannt! Vor dem Flughafengebäude ein Gedränge wie in Indien - und auch ganz anders als in Samoa, diverse drivers, die uns ihre Dienste anbieten wollen. Da der König von Tonga neben dem International Airport ein Domestic Terminal bauen liess, das am anderen Ende des Flughafens liegt und nur per Auto erreicht werden kann, müssen wir schliesslich ein Taxi nehmen. Am anderen Ende des Flughafen-Areals das kleine Terminal, ein Schuppen mit viel Neon, einem Billard-Tisch und einer riesigen Waage, auf der später alles gewogen wird (Passagiere inklusive). Im Areal stehen auch die einzigen zwei Flugzeuge, die Domestic Transportation machen: eine 50 Jahr alte DC3 und eine drei Jahre alte Dash 8.

Die letztere war auch unsere Wahl, als wir vor einigen Wochen übers Internet eine Verbindung von Tongatapu nach Vava'u gesucht hatten. Air NZ hatte uns zwar im Juni noch Tickets für die Royal Tongan Airlines ausgestellt - diese war aber im Mai bereits in Konkurs gegangen. Zuvor konnte der König anscheinend nicht mehr für den teuren Uebersee-Jet bezahlen - und so hat ihn der Sultan von Brunei "reposessed", schlicht und einfach zurückgenommen. Die zwei Flugzeuge für den Transport zwischen den Inseln wurden dann ebenfalls stillgelegt: Die Ersatzteile fehlten. Zum Glück kamen ein australischer Geschäftsmann und lokale Investoren auf die Idee, die Fly Niu Airlines zu gründen , welche einen diese Dash 8 von Ansett leasen - mit Australischen Piloten. Ein Glück für die Inseln, deren Tourismus fast ausschliesslich vom Funktionieren dieser Flugverbindungen abhängt! Check in also mit Wiegen der Passagiere und Gepäck, natürlich kein Security Check , aber ein pünktlicher Abflug, eine freundliche Hostess, schöne Ledersitze, die uns an die guten alten Crossair-Zeiten erinnern, und ein traumhafter Flug über die Inselgruppen Tongatapu, Ha-apai und dann Vava'u.

Die Sonne am Horizont geht gerade auf, unter uns die kleinen Atolle und Riffs, dann die verhältnissmässig hohen Hügel von Vava'u und die vielfachen Wasserarme um Port of Refuge. Martina sieht sogar eine Gruppe von Wale, wie grosse Holzstämme im Wasser vor dem Riff von Ha'apai treibend/schwimmend. Das können wir zwar kaum glauben, aber sie beharrt darauf! Per Hotelbus (nicht mehr der alte Schulbus) zum Paradise International Hotel. Dieses sieht noch aus wie vor 12 Jahren. Auch die Infrastruktur und die Zimmer verbreiten - nun umso mehr, den dezenten Luxus und das leichte "abgewohnte" Gefühl einer DDR Funktionärsklasse-Herberge.

Aber der ganze Charme liegt in der Lage: Direkt über dem Hafen, mit Blick über Neia'fu und die dutzenden von ankernden Yachten. Den Rest des Tages im Ort, im Hotel und Organisation der kommenden Tage (Whale Watching - ist das Wort).(MH)

23. Juli, Freitag

Um 8 in die "Mermaid". Eine dieser "In-Bars" für all die Yachties. Von dort startet um 10 die "Wahle Song" , eine der um Kunden kämpfenden Schiffe, die uns zu diesen Wundertieren bringen soll. Bereits beim Frühstück tauchen wir in diese ganz andere Welt der Seefahrer ein, eine Art moderner, hochtechnisierter Zigeuner. Über Kanal 16 des Radio melden sich um diese Zeit die diversen Anbieter von Dienstleistungen und Attraktionen und sowie Angebote und Nachfragen aller Art (zum Beispiel: "Fahre nach PNG (Papua Neu Guinea) und suche Mitfahrer, etwa 1 Monat weit weg", "Zwei Engländer suchen Passage auf Yacht", "Organisiere heute eine Party mit Musik und gutem Essen, ein "Tongan Beach Fest" usw.). Die bunt gemischte Gruppe der Whale Watchers erzählt auch viel: neben uns, als ganz gewöhnliche Familie aus Europa, Valerie und ihr Freund aus Frankreich, beide Lehrer. Sie kommt jedes Jahr hierhin um Wale zu beobachte, die Wale haben ihr Leben verändert (Frankreich ermöglicht es den Lehrern, jedes Jahr sechs Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen), dann zwei ältere Amerikaner, professionelle Taucher und Yachties, seit 5 Jahren auf einem Schiff. Sie schreibt ab und zu für Segelzeitschriften, beide haben ihren Beruf in den USA hinter sich gelassen. Dann noch Jim, der heute unser "Videographer" ist. Sein vierzehnjähriger Sohn Nick ist auch dabei. Die beiden sind mit ihrer Familie seit vier Jahren auf einem Boot unterwegs - Karibik, Panamakanal, alle möglichen Südseeinseln, Neuseeland und wieder hie. Die Kinder werden durch die Eltern unterrichtet und machen einen Fernkurs der von der University of Missouri, um die Highschool abzuschliessen. Aus dem Tongan Beach Resort holen wir Donna, Christie und Jeremy mit Baby Aela ab. Donna besucht hier auf Vava'u gerade ihren Sohn Eric, den wir gegenüber der Bay auch an Bord nehmen: Er arbeitet für zwei Jahre mit dem Peace Corps hier in Tonga, wohnt in einem Village und organisiert Aufbauprojekte wie zum Beispiel den Aufbau eines Gemüsegartens, aber auch eine elektronischen Kommunikation für die Dorfbewohner. Christie und Jeremy sind mit dem sieben Monate alten Baby Aela auch zu Besuch, aber auf dem Sprung nach Europa, wo sie für ein paar Jahre von Öko-Bauernhof zu Öko-Bauernhof ziehen werden, als "Wanderarbeiter" für eine internationale Organisation "Wheel Work on Farms". Page aus Arkansas hat zwei Jahre im Senegal gelebt und ist mit ihrem Freund Chris auf dem Boot. Er hat gerade auf einer einsamen Insel in Fiji als Kameramann bei einer Reality Show mitgewirkt (ja, diese Shows werden doch wirklich auf diesen Inseln gedreht). Wir fallen durch unsere exotische Normalität sofort auf, werden aber schnell ernst genommen werden, weil wir fast wie ein Bindeglied zwischen all den Exoten sind und ausserdem unsere Kinder so hervorragend auf englisch kommunuzieren. Der Tag ist ein Riesenerfolg, nicht nur walmässig, sondern auch zwischenmenschlich, eine echte Bereicherung. Am Ende Austausch diverser E-Mail-Adressen: nette Menschen kennengelernt.(MH)

Whalewatching in Vava'u

"My name is Ofanga, but you can call me Captain O!" - lachend lässt der kleine, drahtige Tonganer den Motor der Whalesong an und manövriert sie aus dem Port of Refuge hinaus. Unsere Suche nach den Walen von Tonga, unser grosses Abenteuer auf den Pazifik kann beginnen.

Wir vier Süsswasserpiraten waren sehr aufregt, jede(r) auf unterschiedliche Weise. Ich beispielsweise hatte in der Nacht zuvor kaum geschlafen und ständig an die eventuell zu sichtenden Wale gedacht. Ausserdem daran, ob auch alles gut gehen würde, nichts passieren würde, das Boot nicht von einem Wal zum Kentern gebracht würde und ähnliche überdrehte Vorstellungen. Am Tag zuvor hatten Markus und ich - besorgte Eltern - uns bei der Whalewatching Company "Sailing Safaris" eingehend informiert: Ob das Boot Schutz vor der Sonne böte? - Ja, es gäbe ein Sonnendach - Ob man Kinder unbesorgt mitnehmen könne? - Es sei perfekt für Kinder ab Schulalter - Ob ein Wal einmal ein Boot gekentert habe? (Moby Dick)? - Das seien Phantasien von Landratten - Gäbe es eine Toilette an Bord? - Sogar ein Wasserklosett - Ob man mit den Walen schwimmen müsse? - Nein, nur, wer unbedingt wolle und wenn es absolut sicher sei. Halbwegs beruhigt hatten wir uns für Sailing Safaris und die Whalesong mit Captain O entschieden, am Abend vorher zu viert ausgiebig über die Expedition gesprochen und erscheinen nun pünktlich um 8.30 Uhr morgens zum Frühstück in der Mermaid. In diesem Yachtie-Café von Neia'fu, in dem alles passiert und sich alle treffen, verzehren wir gerade grosse Mengen von Pancakes, als die Whalesong am Steg davor anlegte. All aboard! Es geht los!

Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Yachties, Travellern, Aussteigern, fast ausschliesslich Amerikaner, fand sich schnell zusammen, darunter beispielsweise Valerie aus Lyon, Lehrerin im Sabbatical-Jahr, Page und Chris aus Arkansas. Und Baby Aela, 7 Monate alt, aus Ohio, war mit ihren Eltern, die für WWOF (Wheel Workers on Farms) arbeiten, und ihrer Grossmutter an Bord gekommen. Es geht los. Wir lassen die letzten kleinen Siedlungen vom Port of Refuge hinter uns. Noch befinden wir uns im Inner Reef. Die Sonne scheint heiss, aber man kann es gut aushalten mit dem Sonnendach und Faktor 30 Creme. Lange Zeit passiert nichts auf dem Wasser.

Die See ist ganz ruhig. "Whale", ruft plötzlich die Reiseschriftstellerin, Yachtie auf Weltumseglung. "Links vorne, bei 11 Uhr!". Wir Greenhorns, Tretbootfahrer vom Zürichsee, wissen gar nicht, wonach wir suchen müssen! Aber wir lernen schnell, wonach wir Ausschau halten müssen: eine graue Fontäne (the Spout), dann Bewegungen und Wellengang im Wasser (The Breach, das Sichten von Flosse und Schwanz (Fin and Tail) und den grossen Abdruck im Wasser (the Footprint). Unsere ersten Walbegegnungen mit grosser Distanz, quasi zum Kennenlernen. Fast schon habe ich ein wenig Angst, dass dies hier ausgeht wie in den vielen Berichten von Hawaii - dort sind die Gäste froh, mit dem Fernglas die Spitze einer Schwanzflosse zu erraten. Ich lasse mir meine Sorge nicht anmerken, zumal sie unbegründet sein wird. Der Tag hat eine perfekte Dramaturgie! Tonga Wale sind keine Frühaufsteher. Bis zur kurzen Sandwich-Mittagspause haben wir nicht viel mehr gesehen als Spout, Breach aus der Distanz, und den Hauch von Fin and Tail. Aber die Gruppe findet sich zusammen.

Page und ich überlegen, ob wir nicht irgendein Ritual durchführen können, damit wir Wale finden. Captain O meint, das Baby an Bord sei sicher ein Glückszeichen. Wir sind guten Mutes und die Whalesong gleitet weiter, vom Inner Reef ins Outer Reef des Port of Refuge. Doch dann finden wir die Wale (oder finden die Wale uns?). Einzelnen Tiere, gelegentlich zwei, die gemeinsam schwimmen. Die riesigen Körper gleiten anmutig durchs Wasser, oft nur knapp zehn Meter von uns entfernt. Gentle Giants - zärtliche Urzeit-Riesen aus den Tiefen des Meeres und der Kälte der Antarktis zu uns gekommen. Sie gleiten völlig anmutig und geschmeidig durch das Wasser und lassen sich dank Captain O's Geschick von unserem Boot nicht ablenken. Das "Walsichten" verläuft in Folge nun immer nach einem bestimmten Muster ab: Zunächst sehen wir den Spout. Dann wartet die ganze Gruppe und schaut suchend übers Meer. Der Wal - wie wir am Ende des Tages wissen - hat sich nämlich mit dem Spout normalerweise gerade in die Tiefe verabschiedet. Also suchen wir die Wasseroberfläche ab nach neuen Spuren - Fin and Tail, Footprint oder Breach. Sie sind rund um uns herum, gleiten ruhig durchs Wasser, wir sehen die glänzende Haut, fest, stark, mit nichts vergleichbar, dass ich kenne. Sie wird an den Rändern heller, und wenn die Wale unter unserem Boot durchtauchen, strahlen die Ränder des Wales wie ein Heiligenschein. Mein Wal-Schlüsselerlebnis ist, als ein Wal so nahe an unser Boot kommt, dass ich seinen Atem hören kann, seinen Körper durch die Resonanz mit all seinem Volumen erfahren kann. Unglaublich! Ich bin regelrecht gerührt und dem Wal sehr dankbar, dass er es uns gestattet, so nahe an ihn heranzukommen. Die Gruppe ist ekstatisch, elektrisiert. Wir haben unseren ersten Wal ganz nahe am Schiff gespürt. Wir sind alle unheimlich froh und regelrecht glücklich, fühlen uns privilegiert, dass wir dieses mythische Lebewesen erleben dürfen. In der Folgezeit ziehen die Humpback Whales für uns alle Register. Wir sehen riesige Fins and Tails in allen möglichen Positionen, Walpaare zusammen, Wale unter unserem Boot als gigantische Schatten in grün und weiss lautlos gleiten. Und alles ganz nah an unserem Boot.

Wir hören mit dem Hydrophon den Walgesang. Wir lernen, die gigantisch grossen Weibchen von den kleineren Männchen zu unterscheiden. Wir finden sie am Nachmittag auch im Outer Reef, wohin wir uns mit der Whalesong hinauswagen. Wir hören die Wale schnaufen, prusten, Fontänen spritzen, tauchen, mit der Schwanzflosse aufs Wasser schlagen. Und schliesslich sehen wir etwas, das unser Walerlebnis zu einem ganz besonderen werden lässt: wir sehen den Spy-Hop, ein besonderes Phänomen bei Buckelwalen. Beim Spy-Hop lässt sich ein Wal anscheinend senkrecht im Wasser treiben und streckt den ganzen grossen Kopf bis zum Auge aus dem Wasser. Nicht nur kurz, sondern ganz lange. Wir denken, es ist eine Boje - aber es ist ein Wal. Wir können die Warzen unter seinem Kinn genau beobachten. Dieses Phänomen, das wir so ausgiebig beobachten, dass wir (dank der netten Crew) zwei Stunden länger ausfahren und erst nach 18 Uhr zurückkommen, macht unseren Tag mit den Walen zu einem auch für erfahrene Whale Watcher zu einem einmaligen Erlebnis. Selbst Captain O, der alte Hase, sagt, dass auf einer Skala von 1 bis 10 dieser Tag eine 7 - 8 verdient. Was haben wir für ein Glück gehabt! Danke, Buckelwale, wir wünschen Euch viel Glück beim Kalben in den schönen Gewässern von Vava'u und eine sichere Reise zurück in die Antarktis Ende November. Save the Whales! (MS)

Gerade beim Eindunklen legen wir an der "Mermaid" an. Hier ist mehr als Happy Hour. Hier ist High Life. Über hundert Partygoers an der Bar , beim Essen und Musik mit Live Band. Julius entschwindet gleich mit Nick, dem Yachtie-Sohn, und wird den Rest des Abend auf deren Schiff sein . Wir erfrischen uns im Hotel und fahren dann (Taxi T$ 3) zum Sunset- Hilltop Restaurant. Ausgezeichnetes italienisches Essen mit einer guten Putanesca, der italienische Besitzer ist auch stolz auf sein Lokal - aber er sucht anscheinend einen Käufer. Wir sind mit einem Lehrer aus Brooklyn die einzigen Gäste. Bald haben wir mit ihm spannende atlantisch-pazifische Gespräche über europäische Identität, US und europäische Schulsysteme, verlorene Meinungsfreiheit in den USA und so weiter. Wie schon Cynthia spricht er auch von quasi "Bürgerkrieg" in den USA zwischen den tief verfeindeten Bush-Gegnern und -Anhängern. Als nunmehr professionelle Mit-Yachties rufen wir über das Radio des Restaurants die "Lady Starlight" - das Schiff von Jim etc. mit Julius, unserem Jim Hawkins, - allerdings ohne Antwort. Sind wahrscheinlich alle an der Party im Mermaid.... .

In der Dunkelheit wieder mit unserem Taxifahrer (er wollte, dass wir ihn anrufen, damit er nochmals die T$ 3 verdienen kann) ins Hotel. Julius ist noch nicht da und wir haben kurz Bedenken, ob er mit der "Lady Starlight" nach Papua Neu Guinea entführt worden ist. Aber dann hören wir den Aussenborder am Hotelpier und er ist begeistert von der grossen Yacht , einem Katamaran mit allem technisch-elektronischen Equipment - "eine richtige Wohnung" zurück.(MH)

Nick von der Lady Starlight

Wenn ich mir die vielen schönen Yachten im Port of Refuge von Vava'u so ansehe, kommt in mir doch etwas Neid auf. So ein Boot zu besitzen, dann darauf zu wohnen und die Welt zu umsegeln - dass ist schon ein tolles Leben. Deshalb war ich auch gleich an dem Jungen interessiert, der angeblich hier im Hafen auf einer solchen Yacht wohnte. Durch den Kontakt zu ihm erhielt ich einen kleinen Einblick in das Leben von Nick (15 Jahre alt) an Bord der "Lady Starlight".

Der mächtig erscheinende Katamaran ankerte weiter drüben im Hafen, beim Paradise Hotel in der Nähe. Schon der Anblick des Bootes beeindruckte mich ungeheuer. Das Gefühl, zuerst per Funk im "Mermaid" angerufen zu werden und dann mit dem 30 PS Dinghi vor allen zur Yacht rauszudüsen, das ist schon echt cool, um es teenagermässig zu sagen. Dann an Bord, der weite offene Salon und das Deck, sehr gross, es ist ja ein Katamaran, so wird mir stolz erklärt. "LADY STARLIGHT SAN FRANCISCO" prangt hinten in dicken Lettern am Schiff. Wie das erst tönt... An Bord werde ich herumgeführt. Durch den Salon die Treppe runter in den linken Flügel, Waschecke mit Waschmaschine, dann geht's den langen Gang runter zu Nicks Zimmer. Ein kleines Zimmer, das sich in der Mitte an die Biegung im "Cat" schmiegt, halb im linken Flügel, halb auf dem Oberdeck. Das Bett ist eingeklemmt unter der Decke, Queensize zumindest, aber das Zimmer weniger. Wenig Spielsachen sind hier zu finden, ein paar Bücher, Stifte, nichts. Es ist halt klein. Hinten aber doch noch ein eigenes Badezimmer mit Dusche, Toilette und etwas Raum. Aber das reicht, um die Welt zu umsegeln. Ich gehe den Gang zurück, ein weiteres Zimmer, eine Dusche, etwas Platz. Die Eltern haben ein etwas grösseres Zimmer auf der rechten Seite, jeder Platz ist bis aufs letzt Detail genau ausgenutzt. Alles ist seesicher gemacht. Beeindruckend.

Ich spreche etwas mit Nick. Er weiss viel über Computerspiele. Segeln interessiere ihn eigentlich nicht. Und die Schule finde er auch doof. Was für Schule denn? Geht er wohl hier in Tonga zur Schule? Aber nein! Er mache Home School, erklärt er mir. Da sitzt er jeden Tag mit seinem älteren Bruder Chris von 9 bis 13 Uhr im Salon und mache per Bücher Unterricht. Ich werfe einen Blick in sein Geographiebuch. Die Gesteine Südamerikas. Text, Aufgaben dazu, Lösungen drunter, dann der fiktive Kommentar des Professors. Wie soll dend das gehen? Es sei ganz einfach, bekomm ich gesagt. Sieben Tage die Woche Schule, ein viertel Jahr für eine Lektion Stoff in allen Fächern, dann ein Test. Der kommt per Email rein, der Vater hält das Examen. Und das Resultat und die Lösungen kommen dann von Overseas - auch per Email. Immer alleine in die Schule. Sei das nicht öde, frage ich. Ja sicher, aber was soll man machen. Man sollte lieber fragen, ob einem nach 28 Tagen Fahrt auf dem Pazifik ohne Land in Sicht, und nach 4 Jahren von Trinidad durch die halbe Karibik nach Panama, durch den Kanal nach French Polynesia, Marquesas Inseln, Amerikanisch Samoa und 9 Monaten im Hafen von Neiafu, Vava'u, Tonga nicht langweilig sei. Doch, sicher, meint Nick, es ist ein hartes Leben. Hart und langweilig. Der Schein trügt, kann ich mir da nur beruhigt sagen, und glücklich und zufrieden an Land zurückkehren.(JH)

Wale!

Heute Mittag gingen wir im Tongan Beach Resort essen. Wir sassen unter einem Baum direkt am Meer. Ich ging am Strand spazieren und fand sehr viele wunderschöne Muscheln. Ich fand auch noch einen wunderschönen, tiefblauen Seestern. Ich wollte ihn unbedingt mit nach Hause nehmen (Er war schon tot) doch als ich an ihm roch, verleidete es mir diese Idee und ich entschied mich, obwohl er schon tot war, ihn wieder ins Meer zu werfen. Nach einem sehr guten Essen blieben wir noch für eine Zeit. Meine Eltern und Julius sprachen mit Herrn Dieter Dyck und ich spielte mit der kleinen Aela, die ich schon auf dem Walewatching Boot getroffen hatte. Als ich gerade von der Toilette zurück kam, sass niemand mehr an seinen Plätzen. Alle waren aufgesprungen und auf den Steg gelaufen. Als ich zu ihnen rannte, riefen alle: "Wale Wale!" Da! Wirklich! Dort schwammen drei Wale! Was mich erstaunte war, dass wir hier gar nicht auf See waren sondern ganz normal an Land! Die Wale schwammen ungefähr 50 Meter vom Land entfernt. Was ich erst später bemerkte war, dass sie ein Kalb bei sich hatten. Wie süss!Immer wenn zwei grosse Rücken auftauchten, tauchte auch ein ganz Kleiner auf. Nach zehn Minuten hatten die Wale ihre Richtung immer noch nicht geändert und schwammen immer weiter auf den Hafen von Naiafu zu (eine kleine Insel war noch dazwischen aber die Richtung stimmte). Also rannten alle, die bis jetzt auf dem Steg gestanden hatten, an Land mit den Walen bis zum nächsten Steg. Die Wale schwammen immer noch in die gleiche Richtung. Man konnte die Position der Wale immer wieder an den Wasserfontänen ausmachen. Einmal hier dann wieder gar nicht, dann wieder da und so ging das für 3 ein halb Stunden! In der Zwischenzeit hatten wir uns entschieden vom Paradise Hotel hier hin zu ziehen. Hier gefiel es uns einfach besser! Nach dem wir gepackt hatten und wieder zurück ins Tongan Resort kamen, wurde uns gesagt das die Wale erst gerade eben wieder aus dem Bay geschwommen waren. Ich vermute das die Wale hier hin kamen um in Ruhe und Schutz vor den Haien ihr Kleines zu füttern.(VH)

Wir treffen auch gleich Dieter Dyck, den deutschstämmigen (aus Danzig) Neuseeländer, der mit seiner tonganischen Frau das Tongan Beach aufgebaut hat und noch heute führt.(MH)

24. Juli, Samstag

Samstag morgen in Neiafu. Samstag morgen ist high life im Zentrum. Aber nur bis zwölf/ eins, denn dann macht alles zu. Gegenüber der ANZ Bank predigt eine Frau mit Verstärker und lauter Musik. Die Tonganer verfolgen den Sermon nicht unernst. Es wird aber auch viel gelacht und geschwatzt. Die halbe Insel promeniert auf den zweihundert Metern zwischen der Kreuzung beim Postoffice und dem Westpac Gebäude.

Die Geschäfte haben zum Teil noch die an den Wilden Westen erinnernden Holzlauben. Von der zwischendurch heissen Sonne geschützt palavern alle durcheinander. Es wird viel gelacht und gekichert, vor allem von den jungen Frauen. Die meisten sind westlich, amerikanisch gekleidet. So eine Art Hip-Hop look in inselmässiger Interpretation. Immer wieder ein traditionelles Kleidungsstück: der Pandanus Rock , ein langes Kleid und einige sogar ganz in scharz mit dem Bastrock. Im Internet Cafe "Tropicana" ein Frühstück - im Kreise anderer "travellers". Das Internet ist einmal mehr "down" (es scheint den ganzen Tag nicht mehr zu kommen). Dann eine Autofahrt in den Norden der Insel. Die Dörfer erscheinen uns viel weniger gepflegt, als in Samoa. Hier und da ein Autowrack oder ein anderes Eisenteil im Vorgarten, zerschlissene Zäune, Bretter, oder auch Plastikabfälle.

Auch keine starken Farbakzente. Gewisse Häuser lassen darauf schliessen, das mehr Geld vorhanden ist: Gerade, feste Holzwände, sogar zwei Stockwerke und ein solides Metall-sheet Dach. Die Fahrt zum nördlichen Kap gelingt nicht ganz, da die Strassen dann doch zuviel ausgewaschen sind. Wir fahren nun in den Süden, über den ersten Causeway nach Pangaimotu und dann über den zweiten Causeway nach Utangake. Zum Tongan Beach Resort, zum Mittagessen. Auf einer sandigen Landzunge, vor dem grünem Busch unterhalb des Villages eine Prime Location.Wir essen etwas und dann: Auch hier, mitten in der schmalen Bucht Wale !(MH)

Die Geschichte eines Mannes

Dieter Dyck wurde 1936 in Danzig geboren. Er floh 1945 vor den Russen in Richtung Süden. Nach dem Ende des Krieges lebte er noch für ein paar Jahre in Deutschland. Nach ein paar Jahren verschlug es ihn in die Schweiz. Dort blieb er dann für ein paar Jahre und verdiente sein Geld mit verschiedenen Arbeiten. Als er ungefähr 25 war und schon für viele Jahre in Europa herumgereist war, wanderte er nach Neuseeland aus. Warum Neuseeland, wusste er selbst nicht genau, aber eins war klar: Es war der Anfang seines Glücks. Nach ein paar Monaten Aufenthalt, fand er dann seine zukünftige Frau. Die Tonganerin war seit ein paar Monaten in Neuseeland. Noch im selben Jahr heirateten sie und flogen zurück nach Tonga, Vava'u. Seine Frau besass in ihrem alten Dorf (etwas ausserhalb) ein grosses Stück Land. Nachdem sie dort ein Haus gebaut hatten und schon ein paar Jahre gemeinsam lebten, beschlossen sie ein Hotel zu bauen. Dieser Wunsch ging nach ein einem Jahr harter Arbeit in Erfüllung. Dieter Dyck leitet dieses Hotel bis heute. Falls es jemanden interessiert, sage ich jetzt noch, dass Dieter Dyck ein Buch namens: Von der Hölle in den Himmel, schrieb. Dieses Buch erzählt die Geschichte seines Lebens und ist jetzt leider nicht mehr in den Geschäften zu finden, aber wir haben von ihm eine Kopie bekommen.(VH)

Das nette Gespräch, seine Einladung und ein schöner freier Bungalow überzeugen uns, dass wir hier bleiben. Zurück ins Paradise, ein kurzes Schwimmen im Pool, und dann mit Mathew, dem Busfahrer ins Tongan Beach. Mit Jeremy, Christie, der kleinen Aela und Donna am grossen runden Tische ein hervorragendes (!) Buffet, unter anderem mit Marlin-Fisch, den ein australischer Gast vor 3 Tagen gefangen hatte. Zur Unterhaltung läuft neben tonganischer Musik auch eine CD, die Dieter bei einem Besuch in Deutschland aufgenommen hat. Wir erkennen einige deutsche Seemannslieder! (MH)

Sonntag, 25. Juli

Schon morgens um 5 hört man das Metallschlagen (oft auf eine leere, aufgehängte Gasflasche) , als Einladung zum Kirchgang. Und bald ertönt aus dem dicken grün, noch im Dunkeln, ein vielstimmiges lautes Singen. Um halb 10 holt uns Matthew für den Kirchgang nach Neiafu ab. (MH)

Einen Gottesdienst im polynesischen "Bible Belt" haben Markus und ich ja schon öfters mitgemacht - vor 12 und 15 Jahren, und das letzte Mal am vergangenen Sonntag auf Samoa. Heute waren wir aber in einer so beeindruckenden Messe, dass ich doch kurz davon erzählen muss. Mit dem Bau von St. Joseph's Cathedral wurde Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, fertiggestellt wurde die Kirche allerdings erst 100 Jahre später. Die Fassade ist ein typisches Beispiel für koloniale Kirchenarchitekter Polynesiens und hat schon manchen Hurrikan überstanden. Die Mehrheit der Tonganer sind Methodisten, es gibt wie üblich viele verschiedene Kirchen, und die Mormonen haben die stärksten Zuwachsraten, unter anderem, weil sie den tonganischen Schülern einen Studienaufenthalt in den USA ermöglichen. Die Katholiken gelten - man höre und staune - als die liberalste Kirchengemeinschaft. Rom ist hier eben doch weit weg! Die Kirche füllt sich, als wir zehn Minuten vor Beginn eintreffen. Wir sitzen in der hinteren Hälfte, es sind einige Ausländer unter den Besuchern und auch Tonganer von Übersee, zu erkennen an ihrer modernen Kleidung (bei Männern und Frauen). Die Einheimischen tragen die Sonntagstracht, die Männer einen Lava-Lava Rock wie auf Samoa mit Ta'Ovala, dem traditionellen Pandanus-Überbinder, die Frauen lange Gewänder, oft schwarz, mit teilweise sehr kunstvollen Ta'Ovalas oder Kie-Kies, eine Art Ziergürtel, kunstvoll geflochten aus Pandanus, anderen natürlichen Materialien oder auch aus Leder bzw, Kunststoff. Die Kinder oft, aber nicht immer, in weiss, jedoch alle sehr festlich. Insgesamt erkenne ich die Gemeinsamkeiten der Bekleidung, sie wirkt aber deutlich individualisierter als in der Samoanischen Kirche (dort waren wir allerdings nicht in der katholischen, sondern der adventistischen Feier, die bekleidungsmässig stärker reglementiert ist). Die Feier in der Kathedrale beginnt, das Kreuz wird hereingetragen, dahinter dutzende von Kindern als Ministranten, alle in weiss mit Ta'Ovalas und Blüten, dann einige Lektoren, darunter eine Frau, ihre schlafende Tochter, weiss gekleidet, auf der Schulter. Der Pfarrer im uns vertrauten Gewand, mit zwei Diakonen, am Schluss. Der Gesang beginnt, und zwar mit einer solchen Kraft, einem regelrechten Paukenschlag, dass mir für einige Sekunden fast das Herz stillsteht. Die Gemeinde singt so wunderschön polyphon, so gefühlvoll, dass mir die Tränen kommen. Beschreiben kann ich's nicht weiter - man muss es einfach selber hören, um das nachzuvollziehen. Umwerfend, unglaublich, kraftvoll, rührend - einzigartig. Es erscheint unvorstellbar, dass die Tonganer noch vor wenig mehr als 100 Jahren eine andere Religion hatten. Es scheint mir vielmehr, dass das Christentum eigentlich hier seinen Ursprung haben muss! Der lahme Gesang - von der Christmette vielleicht abgesehen - den ich aus unseren Breitengraden kenne, ist jedenfalls Lichtjahre von diesen himmlischen Chören entfernt. Wieder einmal wird mir bewusst, wie perfekt das "Branding" in der katholischen Kirche funktioniert. Ein Hamburger von MacDonald's schmeckt in Apia/Samoa gleich wie in Zürich/Schweiz, und so können wir dem Ritus hier auf Vava'u genauso folgen wie in Europa, ohne ein einziges Wort zu verstehen. Jetzt wird mir klar: der Papst ist eigentlich eine Art Senior Brand Manager, dem es gar nicht recht ist, wenn irgendwelche regionalen katholischen Bischöfe (Junior Brand Manager) Sonderwege gehen wollen. Die Feier dauert fast zwei Stunden. Die Predigt auf tonganisch, kraftvoll bis leise, mit offensichtlicher stimmlicher Dramaturgie, und wieder eine kurze englische Begrüssung der Gäste, die wir schon von Samoa kennen. Die Gemeinde - vor allem auch die Frauen rund um uns herum - beim Friedensgruss uns gegenüber sehr freundlich, fast erfreut, da wir ja offensichtlich zum gleichen Club gehören. Ein ungemein schönes Erlebnis für uns alle. Die Kinder erleben es ja zum ersten Mal, sie sind sichtlich beeindruckt, fast ein wenig erschlagen. Hinterher ein Gespräch mit Sister Susi auf den Kirchenstufen - eine von drei Nonnen in der Gemeinde. Tonganische Schwestern seien auf der ganzen Welt zu finden, sagt sie. Ich lasse durch sie den Pfarrer grüssen und ihm für die schöne Feier danken. Draussen in einem der vielen vollgestopften Autos sehen wir noch Captain O von der Whalesong. Wir begrüssen ihn und danken ihm nochmals. Dann finden wir Matthew mit seinem Sohn Matthew, der uns wieder zum Tongan bringt. (MS)

Um eins zurück werden wir von "Lady Starlight" angefunkt, ob wir auf eine Segelfahrt mitkommen wollen. Eine halbe Stunde später kreuzt der Katamaran in der Durchfahrt auf. Mit dem Dinghi werden Julius und ich geholt und los geht's im frischen Wind. Wir kreuzen an der Spitze von Kapa bei Swallows Cave vorbei, dann an der Südseite von Hunga nach Foe'ata.

Mit einem interessanten Manöver geht es in die Bucht vor dem Blue Lagoon Resort und wir setzten für kurz an Land. Wir treffen Friedel Pott, den exzentrischen Deutschen, der mit seiner samoanischen Frau dieses exzentrische-eklektische Resort führt. Martina und ich haben Friedel bereits 1988 in Tongatapu als Restaurant-Chef und dann 1992 in Neiafu als Chef des Paradise-Restaurants getroffen. Einen Kindertraum hat sich Friedel hier verwirklicht - so liegen die wenigen Bungalows und das Restaurant mit Rundblick im grünen Busch an der tiefblauen Lagune. Vor der aus Süden nahenden Wetterfront setzen wir uns wieder gegen Norden ab. Bei Swallows Cave präsentieren Jim und Chelsea uns mit dem Beiboot dieses Naturwunder. Hinein in die dunkle Höhle, wobei die hintere Wand von der goldenen Abendsonne beleuchtet ist. Unter uns das hellblaue Wasser als Kontrast. Gerade rechtzeitig vor Beginn des Regens zurück im Tongan Beach. Wieder am runden Tisch, diesmal mit zehn Personen - Page und Jim aus Arkansas und Leoni und Stanley von Long Island NY sind dazugekommen - ein sehr lustiges und unterhaltendes Abendessen.

Der geheimnisvolle Mitch

Markus hat in einem der früheren Texte über ein interessantes Gespräch mit einem Mann geschrieben. Dieser Mann verbirgt viele Geheimnisse, die ich in diesem Text lüften werde. Ich werde versuchen, es so deutlich wie möglich zu machen, denn die Geschichte ist lang und kompliziert (eigentlich auch lustig!). Am ersten Tag in Vava'u gingen wir Abends auf die Suche nach dem indischen Restaurant Ocean Breeze. Es war abends spät und das Restaurant lag wirklich nicht in der allerbesten Gegend. Als wir jedoch am Tor des Restaurants ankamen sahen wir das grosse Schild CLOSED! Also drehten wir um und liefen den selben Weg den wir gekommen waren zurück. Auf dem halben Wege begegneten wir einem einzelnem, weissen Mann (dieser Mann spielt in der weiteren Geschichte eine grosse Rolle!). Wir dachten, dass dieser Mann auch das Restaurant suchen würde und wiesen ihn darauf hin, dass es geschlossen sei. Darauf sah er uns verdutzt an. Wir wunderten uns, was dieser westliche Mann sonst in dieser gottverlassenen Gegend zu suchen hatte. Dies war unsere erste Begegnung mit dem geheimnissvollen Mitch. Am nächsten Tag gingen wir Whalewatchen. Auf dem Boot lernten wir noch andere Leute kennen, die im weiteren Verlauf der Geschichte eine grosse Rolle spielen werden. Paige und Chris waren hier, um mehr über die Wale zu erfahren. Sie sagten uns, dass sie morgen noch einmal Walewatchen gehen würden (sie wussten nicht, dass dies ihre erste Begegnung mit Mitch sein würde). Vater Jeremy, Mutter Kristie, Grossmutter Donna und das kleine Baby Aela kamen aus Minnesota. Der Rest der Gruppe war auch sehr nett, aber das Geheimnis des Mitch kennen nur diese beiden Familien.
Am selben Abend gingen Martina, Markus und ich in das Hotel Hilltop, um Abend zu essen. Julius war nicht dabei denn er war auf dem Katamaran von Nick und Jim. Als wir am Tisch sassen, hörten wir plötzlich einen Mann von hinten sagen: "Are you the people I ran into yesterday?" Wir antworteten mit Ja, denn jetzt hatten wir erst gemerkt, dass es sich um Mitch handelte. Seinen Namen kannten wir damals allerdings noch nicht. Wir führten mit ihm ein langes Gespräch über alle möglichen Sachen. Wir fanden heraus, dass er ein Lehrer in Brooklyn war. Mir tat er eigentlich leid, denn er sprach immer über ein "Girlfriend", das ihn offensichtlich nicht auf dieser Reise begleitete. Nach langer Zeit gingen wir. Wir waren sehr zufrieden. Das Essen war gut gewesen und wir wussten mehr über den geheimnissvolen Mitch. Am Samstag hatten wir eigentlich Ruhe von Mitch, er schien uns also nicht zu verfolgen. Doch wir wussten ja nicht, was wir am Sonntag alle erfahren würden! Am Sonntagabend sassen alle, Paige, Chris, Jeremy, Kristie, wir vier und auch Aela am grossen runden Tisch.Es war noch ein anderes Paar hinzu gekommen. Ohne Leonie und Stanley hätten wir niemals den Namen des Mitch herausgefunden.
Also sassen wir da alle, und Martina begann, von ihren Erlebnissen mit Mitch zu reden. Ich weiss nicht wie, aber plötzlich wussten alle Bescheid! "Ah! Der! Der hiess doch Mitch!" rief Leonie. Mitch war nämlich gestern (an seinem Geburtstag!) mit ihnen allen Whalewatchen gegangen. Dadurch kannten sie ihn. Auf dem Boot hätte er auch einen sehr merkwürdigen Eindruck gemacht. Plötzlich sagte Kristie das Mitch auf dem Hinflug neben Donna gesessen hat. Das war ja nicht zu glauben! Mitch brachte uns wirklich alle zusammen! Wir erfanden alle möglichen gemeinen und lustigen Geschichten über Mitch, die immer lustiger wurden. Wir lachten bis abends spät doch dann hatte es sich aus "Mitchiert".(VH)

Danach noch auf einen Schwatz mit Dieter. Er sinniert über seine Zukunftspläne. Das Tongan Beach soll noch dieses Jahr verkauft werden. Er geht dann wieder nach Neuseeland. Für 2006 plant er eine Wanderung von der Nordsee zum Bodensee - mit einem Tonganischen Chor. Wir sollen ihn auf der letzten Etappe von Donaueschingen bis Konstanz begleiten. (MH)

26.- 29. Juli

Montag, 26.7.

Es hat nachts einiges geregnet. Es ist auch immer noch grau und neblig. Abschied von Dieter und den anderen. Um acht am Flughafen. Wieder das "von Hand" einchecken, Wiegen der Personen und Gepäck - und dann fliegt auch schon die DC 3 mit einer waghalsigen Kurve aus em Nebel ein. Unsere Maschine folgt wenig später - aber in etwa fünfzig Meter Höhe über der Piste. Ein weisser Pilot mit sauberer Uniform und drei Achselstreifen, der aus dem Gebäude heraustritt und der Maschine nachschaut fördert unser Vertrauen in die FlyNiU einmal mehr, als er sagt, der Nebel sei zu tief zum Landen. Doch etwas später, die Wolcken sind höher, landet die Dash8 und wir fliegen sogar pünktlich ab. Schon bald überfliegen wir das Ende der Wetterfront und unter uns klare Sicht auf Ha'apai und den Pazifik.

In Tongatapu ein frischer Wind, klare Sonne bei 22 Grad C. Mit dem Bus zum Hafen - Abschied von Chris und Page, die heute Nacht nach Sydney fliegen und auf das Boot, welches uns nach Fafa Island bringen soll. Der Motor springt dann nach der Anlieferung einer neuen Batterie an und wir steuern die 7 km südlich gelegene Fafa Island an. Eine Südseeinsel, wie im Buch: Fast ganz herum feiner Sandstrand, im Innern tropische Vegetation. Ein Doppelstrandhaus für uns- und dann nur noch der Wind in den Palmen, das Meer und zwischendurch mal auf dem "bush-trail" durch den östlichen, unbebauten Teil der Insel. (MH)

Mittwoch, 28.7.

Ein ganzer Tag auf der Insel. In und ums Haus im Palmenhain. Direkt vor uns das Meer und der leere Strand. Es hat weniger als 20 Gäste auf der Insel. Dies sei zu dieser Jahreszeit immer so. Das Wetter ist wieder ganz klar und ca. 22-24 Grad C warm. Nachdem Julius und ich gestern die Insel mit dem Kajak mühsam umrundet haben, probieren wir es heute nur gerade vor dem Sandstrand aus. Am Nachmittag zeigen drei der multifunktionalen Kellner von der Bar, was man alles aus und mit den Kokospalmen machen kann. Einer steigt mit blossen Händen und Füssen 15 Meter in die Höhe und schneidet einige der Kokosnüsse ab. Der Aufprall am Boden bringt einen die alte Südsee Regel in Erinnerung: Verbringe nie zu viel Zeit unter einer Kokospalme ! Wir probieren dann die je nach Alter der Nuss ganz verschiedenen Stadien der Kokosmilch und des Kokosnussfleisches. Aus den Palmenblättern werden Wandteile für die Hütten und Gästebungalows, aus den Fasern der Nuss-Hüllen Schnur und Faden gemacht. (MH)

Donnerstag, 29.7.

Um neun Uebersetzen nach Nuku'alofa. Ins "Seaview Inn" an der Vuna Road. "A home away from home" - die Zimmer könnten auch in einer Deutschen Pension sein - allerdings mit prachtvollem Blick aufs Meer. Die deutschen Besitzer halten das kleine Hotel tadellos in Schuss. Allerdings wollen sie es verkaufen und sind im Moment in Deutschland. Die Stadt hat sich wenig verändert, ausser - auch hier - die Autos in grosser Zahl. Die ganze Infrastruktur ist sichtbar westlicher als in Apia. Es gibt Cafes und Restaurants, die die doch zahlreichen Travellers verpflegen. Zwischendurch aber immer wieder die alten Gebäude aus Holz. Der Betonklumpen des ehemaligen Ramanlal Hotels (Werbespruch vor zwölf Jahren "the most modern hotel of the world"), nun das Pacific Royale Hotel, steht auch noch da. Das Internet Cafe "Friends" scheint das Magnet für alle Ausländer zu sein. Aber die Bananenkuchen und Cakes sind wirklich hervorragend. Der Friendly Bookstore hat die einzige Auswahl an Büchern - und erscheint einem deshalb paradiesisch. Die Auswahl von Büchern ist aber schon bezeichnend - eine ganze Sektion zum Beispiel mit Büchern, wie man ohne Zahnarzt Zähne behandelt, wie man ohne Hebamme ein Kind zur Welt bringt, wie man medizinische Hilfe ohne Arzt geben kann. Inselrealität? Wir erstehen uns noch eine Biographie vom König und fahren dann ins Tongan Cultural Center and Museum. Hier findet in den Ausstellungsräumen gerade eine Konferenz statt. Trotzdem können wir zwischen den an einzelnen Tischen sitzenden Delegierten durchspazieren und die vergilbenden und bald unsichtbaren Fotos an den Wänden besehen. Zwischendurch gemurmelte Worte von "NGO", "development" und "aid". Inselrealität.

Das Museum traurig und verstaubt, kein Vergleich zum Fiji Museum in Suva. Der Mantel, mit welchem Queen Salote an der Hochzeit von Queen Elizabeth II. teilnah, ist ein Farbklecks im ansonsten dunklen Raum. Das einzige, was uns beeindrucken kann, ist die originale , ausgestopfte Schildkröte, welche Captain Cook den Tonganern (lebendig) geschenkt hatte und die erst 1966 gestorben ist! So lange lebte sie im Palastgarten in Nuko'alofa.Sie hat in ihrem langen Leben viel erlebt, unter anderem wurde sie von einer Pferdekutsche überrollt.

Dann Fahrt zu den Blowholes im Süden, welche mächtig sprühen. Auf dem Weg zu den Flughunden, die noch friedlich in den Bäumen hängen, treffen wir Leonie und Stanley, mit denen wir schon in Vava'u über Mitch gelacht haben. Neben dem Baum der Flughunde eine Kirche, aus der wunderbare polyphone Kirchgesänge erklingen.

Abendessen im "Lunarossa", dem Lokal eines weiteren Italieners. Der ehemalige Schiffskoch Marco Veronesi hat es vor vier Jahre zusammen mit seiner tonganischen Frau (seiner dritten) eröffnet. (Im Fünfminutengespräch beschreibt er sein Leben: "gewisse Leben sind gerade wir der Bambus, andere wie der Mango-Baum").(MH, MS)


29.Juli Frühstück in der Morgendämmerung

Zubereitet von Heidi, der Stellvertreterin der Besitzer des Sea View Inns. Der Bus Taxifahrer holt uns pünktlich ab. Auf den Strassen überall die Schulkinder in den farbigen Uniformen. Das Einchecken zum ersten Mal so tonganisch, wie man sich das oft vorstellt. Diverse Schlangenlinien von Passagieren und verschlossene Türen und freundlich lächelnde Beamte, die nicht wissen, was geschehen soll. Ein Riesenchaos, aber alle bleiben ruhig - auch wir. Alle müssen durch einen Departure Ausgang. Aber der bleibt verschlossen. Dann dürfen die Passagiere für den 1025 Uhr "Polynesian" Flug, nach Apia durch. Es gibt hierzu aber keine Ansage oder Anzeige. Alle Passagiere werden wie durch Wunder einzeln darüber informiert. Dann ist aber plötzlich das "go ahead" für alle Passagiere des 1020 Nadi Fluges. Irgendwie, und ganz ohne Aufregung, schaffen wir es alle auf den Flug. Der verläuft ruhig und mit wunderbarer Aussicht auf die Inseln, die wir überfliegen (und mit HRH neben uns - siehe unten).

Abschied vom dicken König

Jetzt haben wir nun das zweite Mal von Tonga Abschied genommen. Ich hätte gerne mehr Zeit in diesem Inselkönigreich verbracht. Vava'u hat uns durch das Walbeobachten eine neue Dimension gegeben, und ich würde gerne dorthin zurückkehren, um mich noch intensiver mit diesen Meerestieren zu beschäftigen. Ich glaube, wir alle würden gerne wieder nach Vava'u gehen.

Tongatapu, die Hauptinsel, haben wir diesmal nur kurz gesehen. Und doch hat sie bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Erst einmal - offensichtlich - der alte, kranke König Taufa' ahau, 86 Jahre alt und zur Zeit in einer amerikanischen Klinik. Ich werde in Europa in der nächsten Zeit die Zeitungen täglich unter "vermischten Meldungen" studieren (mehr ist Tonga für uns doch kaum wert...). Ich glaube, wir werden Tonga nicht mehr unter diesem König wiedersehen. Irgendwie habe ich in Nuko'alofa fast gespürt, dass dieses Land traurig ist, einer Veränderung entgegensieht. Überall die Banner "Happy 86th Birthday Your Majesty", von diversen tonganischen Firmen gesponsort, riesig über die Strassen gespannt. Kaum Autos des Königs auf den Strassen, von einem "HM 3"-Van (His Majesty 3) einmal abgesehen. Beim letzten Besuch vor 12 Jahren waren ganze Konvoys in den Strassen von Nuko'alofa unterwegs, ein geschäftiges königliches Treiben.
Vor 15 Jahren haben wir den König noch auf dem Fahrrad trainieren gesehen. Er war schwer und sportlich und sah richtig wild entschlossen aus. Damals wog er legendäre 200 kg, die er mit dem Fahrrad abzutrainieren versuchte. Die Leibwächter rannten - zu Fuss - neben ihm her. Er trug jene Sportsonnenbrille, die wir auf dem Flug von Tonga nach Fiji wiedersehen sollten.......siehe weiter unten bei HRH...

Meine kindliche Erinnerung an den dicken König von Tonga ist ein Staatsbesuch in Deutschland vor sicher mehr als 35 Jahren, auf dem er auch in Köln Station machte. Damals war er so dick, dass die Kölner Zeitungen davon gefüllt waren. Für das Rathaus von Köln wurde ein Spezialstuhl angefertigt, damit der König nicht auf einem "normalen" Stuhl zusammenbrach. Seine Körperfülle ist Legende. Sicher hat Astrid Lindgren auch an Taufa'ahau gedacht, als sie Pippis Vater auf der Südseeinsel zum König werden liess (und Taka Tuka ist von Tongatapu nicht so weit entfernt....).

Diese königliche Körperfülle fügt sich gut ein in das Erscheinungsbild der Polynesier, die mehrheitlich füllige, zumindest schwere Menschen mit weichen Körperformen sind (Schätzungen rechnen mit 60 % Übergewichtigen). Die Kinder sind nicht nicht so offentlichtlich massiv übergewichtig wie die Erwachsenen, aber auch sie schon haben weiche Formen bzw. den "Babyspeck" nie abgelegt. Des Königs Fitness-Tick scheint aber - zumindest habe ich es gelesen - positive Auswirkungen auf die Tonganer gehabt zu haben. Die Ernährung sei ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt, schreibt der Lonely Planet. Gesehen habe ich dies nicht!

Jedenfalls hat mich Tonga - nochmals unter Taufa'ahau Tupou IV - sehr beeindruckt. Ich habe im Seaview Inn intensiv im Telefonbuch des Kingdom of Tonga gelesen (mein Anstand verbot mir, es mitgehen zu lassen - aber ich war versucht, gebe ich zu). Es handelt sich um ein 1.5 cm dickes Buch im A 4 Format, auf dem alle Telefonanschlüsse und Faxe der Inselgruppe verzeichnet sind. Es beginnt mit einer Government Section, in der in einem speziellen Teil die Nobles Representatives aufgelistet sind. Der Royal Palace mit allen Anschlüssen folgt. Im regulären Teil sind die Telefonanschlüsse nach Insel, und dann alphabetisch aufgelistet. Unter H fand ich im Tongatapu-Teil HRH - His Royal Highness - the Crownprince. Auf den anderen Inseln dann jeweils unter H - HRH einen Vertreter des Königshauses, auf Vava'u die Prinzessin (die, die mit den Satellitenrechten spekuliert) - Her Royal Highness the Princess. Mutig geworden, suchte ich im Telefonbuch weiter und fand erstaunlich viele Namen, die deutschen Ursprungs sind, darunter auch jene Wolfgramms, die mit Dieter Dycks tonganischer Frau verwandt sind.

Zum Schluss fand ich im Serviceteil des Telefonbuchs einige Seiten mit Sicherheitshinweisen der Regierung: 1., was man machen muss, wenn ein Erdbeben stattfindet (nach draussen gehen, Taschenlampe mitnehmen und vor fallenden Strommasten Acht geben). 2., was man machen muss, wenn ein Hurrikan kommt (Schutz in einem sicheren Raum suchen, Taschenlampe mitnehmen). 3., was man machen muss, wenn eine Tsunami (Riesenwelle) kommt (ins Landesinnere gehen, mindestens 600 Meter vom Ufer entfernt).

Zum Schluss suchte ich noch den Autor Penisimani Tupouniua, der das kleine Buch "A Polynesian Village - the process of change" geschrieben hat, dass ich für 4.85 tonganische Dollar im Friendly Islands Bookshop von Nukualofa gekauft hatte. Als Ethnologin im Nebenfach hatte mich das Thema Polynesien und Christianisierung immer sehr interessiert. Ich fand dieses kleine Heftchen des Tonganers, der in Auckland NZ studiert hatte und nun zurückgekehrt war - und den ich im Ministry of Education wiederfand, als Senior Education Officer. Er hat das Buch schon 1974 geschrieben, es ist aber in den 90er Jahren wieder aufgelegt worden. Meine Kenntnisse sind mager, aber sein Nachname verrät zumindest eine Nähe zum Königshaus, denn der König heisst ja mit vollem Namen Taufa'ahau Tupou IV.

Nuku'alofa hat sich in meinen Augen weniger verändert als Apia auf Samoa. Unser gutes altes Ramanlal Hotel (früherer Slogan "The World's Most Modern Hotel") steht immer noch leicht schäbig mitten an der Hauptstrasse. Der Bookshop und der Look Sharp Tonga Shop erscheinen unverändert. Die obligate Starbucks-Kopie "The Friendly Island's Café" serviert eine Frappucino-Version, die nicht schlecht ist, und einen Internet-Anschluss im Zeitlupentempo. "Moderne" Technik, Autos als Statussymbole, verspiegelte Regierungsgebäude, grossen Polizeistationen, allesamt Ausdruck von monarchischer Staatsmacht, haben wir hier schon vor 12/15 Jahren vorgefunden.

Die schönen kolonialen Gebäude sind nach wie vor vorhanden, allerdings sind einige offensichtlich dem Verfall preisgegeben. Man muss sie suchen. Aber an der Uferstrasse rechts und links vom Königshaus stehen ein paar wunderbare Beispiele, allen voran die Residenz des British High Commissioners. Die chinesische Staatsvertretung mit der grössten Satellitenschüssel, die ich im Südpazifik gesehen habe, in der Nähe des International Dateline Hotels, welches gerade von Chinesen gekauft wurde.

Auf der anderen Seite des Dateline, ebenfalls in der Nähe der Residenz, der Hafen mit den ca. 10 chinesischen Fischkuttern, alle in erbärmlichem Zustand, Schiffe und Besatzung. Allerdings sind sie fit genug, die Gewässer um Tonga quasi leerzufischen - denn die Fischereirechte haben sie "für einen Appel und ein Ei" vom König gekauft. Dieser "Deal" ist ein perfektes Beispiel für die kurzsichtigen Geschäfte, die Tonga (das Königshaus) mit dem Rest der Welt macht und dabei entweder sofort (wie im Falle des kalifornischen Geschäftsmannes, der das Land um zweistellige Dollarmillionen betrogen hat) oder später (leergefischte Gewässer ohne gerechten finanziellen Ausgleich für die Bevölkerung, Nachteil für den Tourismus) auf die Nase fällt.

Dieses Problem mit dem Verscherbeln der Fischereirechte hat anscheinend hier jedes Land, auch Fiji, aber die Fijianer können wenigstens dagegen demonstrieren und darauf aufmerksam machen, dass ihre Regierung die Fischereirechte für 5 % des Ertrages "verschenkt" und die Gewässer leerfischen lässt.In einer absoluten Monarchie gibt es keine Demanstrationen (anscheinend haben allerdings im vergangenen Jahr erstmals einige Dutzend Tonganer so etwas ähnliches auf der Hauptstrasse gemacht..).Überhaupt wird, auch von auf Tonga lebenden Ausländern, nur flüsternd und hinter vorgehaltener Hand über die politische Situation gesprochen.

Auf dem Land entstehen überall neue Häuser, anscheinend von aus dem Ausland zurückkehrenden Tonganern gebaut. Diese neuen Häuser, die wir sogar in den kleinsten Dörfern fanden, waren niegelnagelneu, teilweise gerade fertiggestellt, noch nicht bezogen, und hatten alle etwas gemeinsam: sie waren zweistöckig - offensichtlich das Non-Plus-Ultra an Modernität und Fortschritt in einer Umgebung, in der flache Häuser klimatisch viel sinnvoller sind (bei Hurrikanen etc.). Alle diese modernen Häuser, teilweise noch mit Plastikhüllen um die Aussenbeleuchtung, sahen aus, als würde eine Soap Opera darin gedreht: Dallas auf Tonga. Die Dörfer erschienen mir viel wohlhabender als vor 12/15 Jahren, die Häuser der Dorfbewohner vielleicht nicht so liebevoll gepflegt wie auf Samoa, aber insgesamt freundlich, wohnlich und die Dörfer sehr sympathisch.

Wir waren auf kurz auf Tonga. Hier manifestieren sich jedenfalls alle positiven und negativen Seiten der südpazifischen Staaten. Und es war kein Zufall, dass wir in der Maschine nach Fiji neben einem Mann mit jener Sportbrille sassen, die wir schon beim tranierenden König gesehen hatten: His Royal Highness, der Kronprinz. Hoffentlich führt er "seine" Tonganer in eine gute Zukunft. (MS)

HRH (His Royal Highness) The Crown Prince

Schon am Flughafen : The Kingdom of Tonga, Royal Tongan Airlines (jetzt, nach dem Konkurs , zwar nur noch auf den Plakaten), Reklamen für das Pacific Royale (!) Hotel - früher hiess es Ramanlal, und wir waren vor 12 Jahren mit dem kleinen Julius dort. Oft kommt uns "The Prince of Zamunda" (mit Eddie Murphy) in den Sinn. Auf der Fahrt vom Flughafen zur Rechten die grandiose Einfahrt und weit hinten, auf dem wohl einzigen Hügel in Tongatapu ein langes, riesiges Gebäude - völlig Out of Proportion. Die Tonganische Flagge weht am Eingang. Der Sitz des Kronprinzen und zur Zeit "Acting King". Der Vater ist 86-jährig zu einem Medical Check-up in den USA.

In Nuku'alofa gibt es einiges mehr an Autos als vor zwölf Jahren. Die königlichen Karossen, von Mercedes oder GM fallen deshalb weniger auf. Heute fahren vor allem uralte japanische Autor herum (sie werden als Rostlauben importiert und dann zu horrenden Preisen an die autobesessenen Tonganer verkauft). Damals fuhren alle ca. zehn Minuten einer oder mehrere der Mercedes die wenigen Strassen rauf und runter, so mal kurz die 200 Meter vom Palast zum Aussenministerium oder die dreihundert Meter zum Land- und Forstwirtschaftsministerium. Wir haben uns damals immer vorgestellt , die Minister und royalen Personen würden von einem Regieren zum anderen Regieren fahren.Die Autonummernschilder zeigen den Normalsterblichen, wer da so fährt: HM 1 bis irgendwas, für alles Royale. PM 1 bis weissnichtwieviel für Prime Minister, P für Police und T für Taxi oder R für Rental Car.

Man kann sich aber auch verkleiden: Unser Mietauto hat eine T Nummer (und auf der Seite steht "Airport Taxi" ). Der Eigentümer und Vermieter sagt uns bei der Wagenübergabe, wir sollten einfach nicht reagieren, wenn uns einer anheuern wolle. Für den Taxifahrer ist es günstiger, den Wagen den ganzen Tag an uns zu vermieten als auf Kunden für eine Fahrt zum Flughafen zu warten - so schlecht geht es dem Tourismus auf Tonga generell und seit dem Zusammenbruch der Royal Tongan Airline insbesondere.

Und den HM oder PM Schildern begegnen wir dieses Mal nur selten (oder sie fallen in der Menge der Autos gar nicht mehr auf). "HM 4" begegnet uns beim Palast. Ein neuer, dunkelblauer GM Van - genau wie derjenige , der immer hinter Bill Clintons (oder jetzt Bushs) Wagen herfährt, mit den FBI und anderen Security Detail Personen. Zwei PM spotten wir auch: beides nun eher ältere Mercedes Modelle. Entweder hat Daimler Chrysler nicht mehr gesponsert, oder der König ist nun wirklich am Sparen - letzteres scheint wahrscheinlicher.

Das ultimative royale Erlebnis steht uns aber noch bevor. Wir sitzen alle auf unseren Plätzen in FC 211, Air Pacific Flug von Fuamotu International Airport, Tonga nach Fiji. Nachdem alle Passagiere bereits eingestiegen sind und auf ihren Plätzen sitzen, kommt ein Tonganer (Offizieller!) kommt an Bord und schaut in die Gepäckfächer über den Sitzen.

Dann draussen auf dem Tarmac ein Mann und eine Frau in schwarz und mit den traditionellen Bastmatten um die Hüften. Sie verabschieden einen Tonganer, der in Begleitung eines Uniformierten die Treppe zum Flugzeug hochsteigt und sich dann über den Gang neben Victoria hinsetzt und gleich in eine Art Halbschlaf fällt.

Die Kleider erinnern an einen schwarzen Trainingsanzug. Der Clou ist die mit einem Gummiband gespannte Mischung zwischen Fliegerbrille und Skibrille. Ja, es ist HRH (His Royal Highness) The Crown Prince. Er gleicht seinem Vater, wie wir ihn vor fünfzehn Jahren beim Training auf dem Fahrrad in Nuku'alofa gesehen hatten. Der gleiche Ski-Fliegerbrillen-Look. HRH döst gleich vor sich hin. Die Stewardess macht ihre Rolle sehr gut . "Your Highness, a towel ?, Your Highness, some water?". Nur der Purser hat die Situation wohl nicht ganz erfasst: Er verteilt nicht nur uns, sondern auch HRM das blaue, lange Immigrationsformular für Fiji. HRH scheint aus dem Dämmerschlaf kurz zu erwachen, liest das Formular, oder zummindesten Teile davon kurz mit Interesse, legt es dann aber rechts auf den Nebensitz. In Nadi, Fiji angekommen, braucht er so was auch gar nicht. Bereits kurz vor der Landung hat sich eine Tonganerin hinter HRH auf den einzigen noch freien Sitz gesetzt, mit den Flugtickets, wie wir sehen - vielleicht auch mit Pass und Formular? Die Tür geht auf und wir lassen natürlich HRH auch den Vortritt (Julius möchte zwar seinen Rucksack von oben holen und HRH vor die Füsse stellen). Die Dame geleitet ihn nach draussen und da warten auch schon ein Dutzend Personen auf ihn. Schnell entschwinden alle in eine Richtung, während wir in die andere Richtung, dem Schild Arrivals folgend, abgehen.