Los Angeles

Pazifik wir kommen

zwei Tage Stop in Los Angeles zwischen Europa und dem Pazifik

11.07.2004

Zehn Stunden Flug. Zuerst vor allem Wolken, dann der Atlantik, in der Ferne Island und dann unter uns Grönland. Unendliche Eislandschaften. Blaue Seen in der weissen Eisfläche, Gletscher aus den hohen Bergen und blaues Meer mit Packeis und Eisbergen. Einiges später die Hudson Bay, fast zwie Stunden zur Ueberquerung. Und dann gegen Abend direkt über Las Vegas. Die glitzernde Ansammlung von Hochhäusern und ringsherum Wüste. Kurz vor Sonneuntergang der Anflug auf Los Angeles. Ueber die Berge von San Bernardino richtung Meer und pünktlich um halb acht auf der Piste.

Die Immigration ist "swift and corteous" - die maschinenlesbaren Pässe haben wohl doch auch Vorteile. (MH)

Vor dem Flughafen war ein riesiges Gedränge. Taxis, Busse und Autos hupten ununterbrochen. Es war gar nicht so einfach wie ich gedacht hatte, in L.A ein Auto zu mieten. Wir mussten an dem lila Busstop warten. Dort kamen ständig Busse von allen Autovermietungen vorbei. Unser Bus brachte uns zu Avis. Dort waren schon sehr viele Leute, die auch alle ein Auto mieten wollten. Aber wir kamen ziemlich schnell dran. Wir bekamen einen Ford Victoria. Damit wir das Hotel auch sicher finden würden, hatten wir auch ein Navigationssystem. Eigentlich sollte eine deutliche, verständliche Stimme uns den Weg beschreiben doch dies war anders. Es klang wie in einem Polizeiauto. Wir verstanden zuerst kein Wort, nachher rissen wir uns zusammen und fanden dann, jedoch mit Mühe, endlich das Hotel.

Weil wir alle ziemlich müde und erschöpft waren, klappten ich und Julius gleich unser Sofa auf. Es war aber noch nicht bezogen. Deshalb schaute Martina im Schrank nach einem Leintuch. Doch was fand sie dort? Oh Schreck! Dort hingen sicher fünf paar Hemden und eine Jacke. Sie gehörten aber nicht uns. Wir benachrichtigten den Receptionist, der bei diesem Anblick auch ziemlich erstaunt war. Als Markus und Martina schauten ob ihr Bett wenigstens frisch war, bot sich ihnen ein ziemlich erstaunlicher Anblick. Die Decke und das Leintuch hatten Falten, die vermuten liessen das der Besitzer der Hemden im Schrank schon einmal in diesem Bett geschlafen hatte.

Etwas später gingen wir essen. "The Kettle" war ein richtiger, amerikanischer, 24 h Diner. Zwar war es schon elf Uhr in der Nacht, aber es schien den Kellner nicht zu stören, dass wir Pfannkuchen bestellten. Als wir nach einer halben Stunde ins Hotel zurückkehrten, war das Bett bezogen, die Kleider von der mysteriösen Person waren weg und es war eigentlich alles in Ordnung. So schliefen wir, trotz des Jet Lags, ziemlich schnell ein.(VH)

12.07.2004


Kalifornische Sonne und ein typisch amerikanischer "dumpster truck" vor der Türe wecken uns. Ja, es hat wirklich "sea view". Und die Aussicht ist nicht schlecht. Eine "upper middle class neighbourhood", sauber und gepflegt.

Martina meint, wir seien wie Philipp Marlowe - auf den Spuren des rätselhaften Hotelvorbewohners:

"11.Juli, 23.45 Uhr: Sea View Inn, Manhattan Beach, Los Angeles. Kein Mond. Neon-Farbpalette der Nacht, in feuchter Luft. Wenige Autos. Ein einsamer Rezeptionist zwischen Postkarten und Sonnenbrillen. Schlüssel zu Zimmer 401, 1. Stock.Ein Kinderspiel. Dunkle Betontreppe vom Parkplatz. Leichtes Tröpfeln von der Etagendecke. Einige Mücken tanzten um die Deckenlampe. Detective Jools betrat das Zimmer. Überall Schokoladenpapierchen. Offensichtlich waren gerade einige Schweizer angekommen. Jools ging direkt auf den Kleiderschrank zu und öffnete ihn. Marlowe hatte Recht gehabt Die Hemden von Big Fat Earl hingen noch auf den Bügeln. Die Europäer hatten es noch nicht bemerkt. Sie waren direkt in den "Kettle" gegangen, um mitten in der Nacht Pfannkuchen zu essen. Crazy Europeans. Eurotrash. Jools verzog seinen Mund und lächelte, spöttisch und lautlos. Er griff in die Brusttasche des pink-blau karierten Hemdes, das in der Mitte im Schrank hing. Der Umschlag steckte. Jools nahm ihn an sich und ging auf die Zimmertüre zu, nicht ohne vorher noch einen Blick auf den seltsamen Vogel, der auf dem Bett sass, geworfen zu haben. Big Bird - Big Earl, dachte er.

Draussen die Polizeisirene von Sepulveda herüber. Jools trat in die Nacht hinaus und wartete im Dunkeln der Betontreppe. Die Schweizer würden jeden Moment aus dem "Kettle" zurückkommen. Es war 23 Minuten nach Mitternacht. Von der 34. Strasse her sah er den Crown Victoria herannahen. Das Spiel konnte beginnen." (MS)

Es folgt ein echt amerikanisches Frühstück: im "Local Yolk", Pancakes and full breakfast mit egg and bacon - in gesunden Portionen. Dann nach kurzen Telefonaten ziehen wir um nach Hermosa Beach, in ein Hotel mit dem schlichten Namen "Beach House" . Und es hält, was es verspricht: Direkt am Strand. Unser Zimmer (308) auch direkt zum Strand - und das Rauschen des Meeres.

Der Umzug ins andere Hotel hatte sich echt gelohnt! Zwar hatten wir kurz vor dem Ziel "you have left the route, press reroute for a new route!" (phonetisch: ju häv läft se raut press rieraut for rieraut) aus dem Lautsprecher unseres Autopilots provoziert, konnten dann aber doch lachend im hotel einchecken und den "stunning view" von unserem Balkon geniessen. Die Beach war kaum sichtbar, tiefe Nebelschwaden hingen über dem Meer. Die Luft war feucht und schmeckte nach Salz. Genau so hatte ich mir das Hotel direkt am Strand auch vorgestellt! Von unserem Balkon liess sich das frühmorgentliche Treiben der Surfer und Nichtsurfer am Strand genau beobachten. Doch hielt es mich nicht lange auf dem kleinen Ausguck, ich musste mich selber hineinstürzen in das Strandleben. Volleybälle gab's im Hotel zum Verleih, ein Kinderspiel die 20 m zum Strand und dann ging's los. Auch wenn mein Spielpartner (Namen bleibt hier unveröffentlicht) leichte spielerische Mängel in Sachen Teamkoordination und Schüsse der Bälle übers Netz zeigte (doch wie sich später herausstellte, hatte mein Partner das das erste Mal gespielt - da muss ich sagen, nicht schlecht!) schlugen wir uns wacker gegen die "pro-beachvolley" Spieler auf dem benachbarten Feld (zumindest stand es auf ihren T-shirts).

Eine Weile lang spielte es sich sehr gut, es war nicht so heiss, dass der Schweiss in strömen lief, der frische Wind wehte und brachte hin und wieder einen kleinen Nieselschauer über uns nieder, bei dem ich mir wie eine besprinkelte Pflanze vorkam. Doch irgendwann werden ja bekanntlich die Füsse schwer, der Sand zieht einen zu Boden, der Kopf tut weh und es ist Zeit, sich etwas anderes, ruhigeres zu suchen. Die Fahrradtour entlang dem flachen Strand erschien uns genau passend. Trotz der teuren Preise und den anfänglichen Schwierigkeiten (es herrscht Helmpflicht für unter 18-jährige, aber mein Gott, es ist eine flache Strecke am Strand und nicht die Tour de France!!) ging es endlich los, den wunderbaren Beach Walk von Hermosa Beach entlang bis nach Manhattan Beach. Langweilig wurde einem eigentlich nicht, denn rechts und links der Strecke lagen die Beach Häuser. Es schien mir, dass sich hier von den alten Römern bis zu den Hobbits, über die Griechen und die Futuristen, die gerne ihr Wohnzimmer ausstellen, alle niedergelassen hatten und ihr Traumhaus gebaut hatten, sei es jetzt eine römische Atriumvilla, ein griechischer Säulenpalast, ein typisches Reeddach Hobbit- Haus(nur das Reet war nicht echt!) oder ein Haus mit einer totalen Glasfront und diversen runden Living Rooms. Vor lauter Staunen fingen wir an, nicht mehr auf den Radweg zu achten. Glücklicherweise kamen wir ohne eine einzige Verletzung wieder beim Fahrradverleih an. So ein Tag am Strand, der tut schon gut, nach so viel schlechtem Wetter in der Schwiiiiz!! (JH)

14.7.04

Duchamps in der Box. Nach dem Frühstück in der Morgensonne und der "sea breaze" wälzen wir uns im anscheinend allmorgendlichen Blechlawinen-Wahnsinn die 30 miles north. Unser Navigationsmännchen im Avis assist Telefon bringt uns punktgenau an den Hollywood Blvd - direkt an einen freien Parkplatz. Die Türe auf - und wir stehen auf Liza Minelli und Lionel Richie. Kurzes Hüpfen von star zu star (die Stars bleiben aber aus) - vorbei am auch anscheinend alltäglichen Touristenlawinen-Wahnsinn der Filmstadt.

Nach Coffee Bean and Tea Leaf dann über den Sunset Blvd - hier gibt's noch andere Ketten als Starbucks! - wieder I 405 North (im Avis Männchen Dialekt "hauaar schonnsson eiforofaiv noors") zum Getty Center. Schon von weiten sieht man es über dem Tal, wie eine Trutzburg der Katharer. Am Gate nennen wir die sechsstellige Nummer, die uns Isotta angegeben hat - und (nach Security Check - der Wächter wirft einen hoffnungslosen Blick auf unseren mit Gepäck randvoll gefüllten Kofferraum) schon sind wir auf der Preferred Lane auf direkter Fahrt den Hang hinauf in die Parkgarage direkt unter dem Bergfried - äh , Haupteingang. Mittagessen mit Bekannten aus Santa Barbara (Cynthia P., einer alten Freundin von Martina aus New Yorker Zeiten), dann eine Führung in die inneren Gemächer des Research Centers.Und da, tief unten ein Saal, in dem die Restauratoren alles mögliche aus den Schätzen des Museums bearbeiten. Eine junge Frau misst mit einem tollen Apparat die Dichte der Farbe Gelb in einem Notizbuch eines Schülers von Kandinsky. Anscheinend hat das Exponat in der letzten Leihgabe Schaden genommen - für das menschliche Auge noch nicht wahrzunehmen. Und da die "travel box" von Marcel Duchamps. Sein Portfolio mit seiner Kunst, wie sie für ihn auf der Reise zum Mitnehmen wichtig war:diverse objets trouvés, die Schokoladen-Mischmaschine, das Pissoir, die Schreibmaschine, die kinetischen Figuren, allesamt entstanden ab ca. 1910 bis 1935. Wir sind hautnah dabei, als das wertvolle Exponat von den beiden Kuratoren aus der Verpackung genommen wird - und dann blättern sie vor uns durch die einzelnen Auslagen.In einem anderen Raum sind die Fotografen am erarbeiten von facsimiles und überall die grossartige Architektur.

Schon früh um halb vier zum Flughafen - natürlich im üblichen Stau - damit wir heute abend um neun ablegen können - über den weiten Pazifik nach Samoa.