Fiji

Taveuni, Levuka, Treasure Island

Regenwald, Thunfisch und Korallen

29. Juli, Flug nach Taveuni, Ankunft Maravu Plantation

Nadi Airport. Wieder einmal ein richtiger Airport. Und richtige Touristen. Man sieht, dass es auch Package Tours gibt. An der Immigration die Indo- Fijians (wenn dies politisch korrekt ist, diese so zu nennen). Auch im Coffeeshop die freundliche und effiziente Bedienung. Dann, beim Check In für Air Fiji nach Taveuni, wieder etwas mehr "Südsee -Zustände". Schliesslich fliegen wir auf eine der Outer Islands. Die Bildschirme mit den Abflugzeiten zeigen nichts an. Der freundliche Fijianer hinter dem Tresen, erklärt, der Flug würde um 1345 statt 1300 abfliegen. Nein, es gebe auch keine Boarding Card. Wir sollten dann einfach gehen, wenn der Flug aufgerufen werde. Wir können sehen, wie unsere Koffer (trotz Uebergewicht) in eine kleine , aber immerhin zweimotorige Maschine eingeladen werden. Wir werden aufgerufen, unser Name wird am Ausgang von einer Liste gestrichen und der Sitz wird mündlich zugeteilt. Ja, es gibt auch zwei Piloten. Kurze Instruktion (die kürzeste Sicherheits-Vorführung, die wir je an Bord gesehen haben!) und Motoren an und los. Steil steigen wir an und sehen das innere Gebirge von Viti Levu unter uns vorbeiziehen . Und schon sind wir über dem Meer Richtung Savusavu. .Anscheinend gibt es keine Passagiere von Savusavu nach Taveuni, denn der Pilot dreht nun auf Taveuni zu, informiert uns kurz (und die Passagiere nach Savusavu machen einen Umweg). Dann die Nordspitze von Taveuni. Dichter Dschungel. An der Küste einige Häuser -irgendwo auch unser Hotel. Auch eine Piste wird sichtbar, wir stechen hinunter und schon sind wir gelandet. Man hatte gar nicht viel Zeit, Bedenken über die alte Maschine zu haben.

Der "Terminal", eher eine kleine Bahnstation. Die Leute vom Maravu Plantation Resort holen uns ab. Schon nach wenigen hundert Metern geht es links den Hügel hoch, hinein in die ehemalige Plantage. Bei der Hauptbure, die als Rezeption, Aufenthalts- und Essraum dient, werden wir mit Kokosmilch und Musik empfangen. Perfekt touristisch. Wir sollen bald merken, dass dies vor allem eine Honeymoon Destination ist. Wir und noch eine Familie, uns sonst alles Pärchen. Everyone just married. Bure No 4 , sogar mit Meerblick durch die Palmen. Überall Kokospalmen, ein wunderbarer Pool viel Grün. Die Angestellten geben einen den Eindruck, als ob sie uns schon lange kennen. Alles mit Vornamen und ohne Formalitäten. Kurz am Strand, welcher durch die Strasse vom Hotel getrennt ist. Die Strasse ist zwar ganz toll ausgebaut, hat aber (noch) gar keinen Verkehr. Draussen auf der Veranda und Abendessen.(MH)

Exkursion Lavena Coastal Walk

30. Juli, , von 10 Uhr morgens bis 5 Uhr abends

Zusammen mit einem amerikanischen Pärchen (nicht die super-ultra honey mooner - also recht vernünftig) und dem Guide aus dem Maravu fahren wir ca. 40 Minuten mitten in die wenig bewohnte und wilde Ostküste. Wenige hundert Meter hinter dem Maravu, kurz nach dem Flughafen, wird die breite Asphaltstrasse zu einer ungeteerten Schnellstrasse - zumindesten für den Fahrer unseres Kleinbuses. Auch dieses Auto wurde mit ca. 200'000 km aus Japan eingeführt und verbringt nun seinen Lebensabend auf Fiji. Am Ende der Strasse, in Lavena, erwartet uns ein Visitors Center , und da beginnt der gut markierte und auch am Anfang bestens unterhaltene Coastal Trail - fast wie in einem Nationalpark in den USA. Anscheinend wird dies durch die einzelnen Villages gemacht , zum Teil mit ausländischer (hier: neuseeländischer) Hilfe.

Dann gehen wir los: Der Weg führt den Strand entlang, immer wieder im dichten Busch. Die Regenwald-Vegetation geht hier direkt bis ans Meer. Filo, unser Guide , erklärt uns bei vielen Pflanzen, zu was und wie sie von den Fijianern gebraucht werden. Gegen Bauchweh, zur Pflege von Wunden, bei schreienden Babys und so fort.

Nach einer guten Stunde und nach der Überquerung eines Flusses auf einer mit neuseeländischer Hilfe gebauten Brücke (Typ Indiana Jones) geht es bergauf . Wir folgen dem Flusslauf, der uns zum Tavoro Wasserfall bringen soll. Zum Teil sind Seile gespannt, dass man auf dem glitschigen Weg nicht ausrutscht. Es geht auf und ab, zeitweise ist es recht anstrengend, und wir müssen uns gut konzentrieren. Zuletzt führen die Seile am Rande des Wildwassers entlang. Hinten ist bereits ein schmaler Felsdurchgang und dahinter der Wasserfall im gleissenden Sonnenlicht sichtbar. Unsere Salomon Amphibious Shoes kommen nun bestens zum Einsatz - wie in einem Reklamefilm steigen wir über grosse Flusssteine. Wir sind richtige Trekkies!!! Dann hört der Weg auf, und ab jetzt wird geschwommen. Zuerst aber Picknick und kurze Aufregung: Eine Gruppe von Ausländern erklärt etwas unklar, dass hinten , beim Wasserfall noch drei Leute seien, wovon einer nicht mehr zurückkomme. Er sei ein guter Schwimmer und Tiefseetaucher, aber er sei von der Strömung in den Wirbel gerissen worden. Grosse Aufregung. Filo, unser Guide, versucht zusammen mit einem anderen Taucher aus der Gruppe, den hinter dem Wasserfall steckengebliebenen zurückzuziehen. Erfolglos.

Erst, als ein Junge aus dem benachbarten Dorf kommt, kann dieser mit Hilfe einer Liane (!) den steckengebliebenen Tiefseetaucher befreien (er ist sogar Tauchlehrer, wie wir mit Genugtuung feststellen).Überhaupt gehört diese Szene in die Kategorie "Freitag rettet Robinson" und ist für uns alle eine grosse Attraktion. Zumal Robinson gar nicht nett ist sondern in die Kategorie "Arroganter Ami, der glaubt, alles zu können" , Freitag hingegen in die Kategorie "Held des Dschungels" gehört und sehr nett ist. Abgesehen von dieser filmreifen Szene verbringen wir eine sehr entspannte Zeit in einer atemberaubend schönen Wasserlandschaft mit kristallklarem Wasser, wunderschönen grossen Steinen, den riesigen Wasserfall im Hintergrund und dem Dschungel rund um uns herum. Ein einmaliges Erlebnis, das uns allen sehr gefällt und grossen Eindruck bei uns hinterlässt. Filo und Julius wagen sich dann doch noch in den Bereich des Wasserfalls. Wir haben Vertrauen zu Filo gefasst, und nachdem sie uns versichert hat, dass sie nicht so nah an den Strudel schwimmen werden, dass das gleiche wie mit dem Tauchlehrer passiert, sind wir einverstanden. Sie schwimmen los, und Julius kommt nach ca. 20 Minuten begeistert von der Exkursion ganz nah an den Strudel zurück. Der Rückweg wird lange nicht so beschwerlich, wie wir befürchtet haben. Es gibt noch einige kleinere Abenteuer - Julius geht mit Filo nicht mehr über die Brücke zurück, sondern durch den Strom,

während wir vier anderen diese "Extrem-Variante" abbrechen und den Brückenweg wählen. Ausserdem muss Filo noch ein dickes Hausschwein retten, das sich hier im Dschungel, weitab vom Dorf, im Gestrüpp verfangen hat. Dieser Coastal Walk ist sensationell schön. Er bietet paradisische Meerblicke (Blue Lagoon II wurde hier gedreht), tropischen Regenwald pur, teilweise anspruchsvolle, glücklicherweise nur kurze Steigungen und eine spektakuläre Fluss-Kletterpartie, also einen sehr abwechslungsreichen Weg. Der Treck hinunter in und durch das Flussbett ist filmreif und macht uns alle grossen Spass. Der Wasserfall gehört in die Kategorie "Südseekitsch" - einfach atemberaubend schön. Begeistert und müde kommen wir nach unserem Treck zurück in die Plantation. (MH, MS)

Abends Schwimmen und Abendessen am Rande des Dschungels.

Auf der Plantation & Hochzeit am Strand

31. Juli

Morgens auf der Plantation. Victoria reitet (auf Heidi) , wir wandern mit ihr zum höchsten Punkt. Paradisische Aussicht über die Straits nach Vanua Levu. An den Strand. Unten am Strand ist eine Hochzeit, das bleibt uns also nicht erspart.... ein Lehrerpaar aus Santa Fe.


Rückblick
"Niemals werde ich den feuchten , windigen Morgen im Januar 1998 vergessen, an dem Frank auf der kleinen Fidschiinsel Taveuni landete. Es hatte die ganze Nacht gedonnert und vor dem Frühstück mussten unsere Gastgeber im Maravu Plantation Resort einen Defekt in der Stromanlage reparieren." . So fängt der Norweger Jostein Gaarder seinen Roman "Maya oder Das Wunder des Lebens" an. Der Protagonist, ein Evolutionsbiologe auf der Rückreise von Neuseeland nach Spanien, an einen Kongress in Salamanca, macht einen Stopover in Taveuni und beobachtet ein interessantes Paar, welches er im Maravu Plantation Resort kennengelernt hat. Die Frau ist aus dem Bild "Maya" von Goya von vor über zweihundert Jahren entstiegen. "Als das Auto von der Landstrasse abfuhr und das Maravu Plantation Resort erreicht hatte, war ich überwältigt von der Schönheit der Gegend. Die Anlage bestand aus zehn Hütten und einem Hauptgebäude, die weit über das Gelände der alten Kokosplantage verstreut waren. Die Hütten - oder Bures, wie sie auf den Inseln heissen - standen zwischen dichten Büschen und wehenden Kokospalmen auf einer Anhöhe mit Seeblick..... Wir wurden in der Bar willkommen geheissen mit einer kunstfertig mit Hibiskusblüten und Trinkhalm verzierten Kokosnuss beglückt, während die Formalitäten erledigt wurden. Wir plauderten einige Minuten, und alle Angestellten des Maravu begrüssten uns der Reihe nach. "Bula", sagten sie, "Bula". Dieses höchst bodenständige Grusswort wird auf den Fidschiinseln so oft wiederholt, dass fast schon wie ein Mantra wirkt." Ja, bis aufs Wort genau erleben wir die Ankunft gleich ! Viele weitere im Roman erwähnte Details stimmen genau - bis hin zum Schild "Beware of Falling Nuts". Und irgendwie hat der Ort auch eine magische Ausstrahlung für wissenschaftliche Forschergeister: Während die Romanperson von Gaarder sich mit dem Rätsel der Entwicklungsbiologie und insbesondere der geheimnisvollen Frau Ana (von der er erst viel später in Europa im Prado Museum feststellt, dass sie Maya, aus dem Bild Goya's ist), haben wir die Gelegenheit, eine Riesenmenge von amerikanischen Pärchen auf Hochzeitsreise zu studieren. (MH)

Die Entstehung der Honigmonde

Eine ethnologische Feldforschung
Auf der Maravu Plantation haben wir eine Spezies kennengelernt, die sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet: es gibt zwei Geschlechtstypen, männlich und weiblich; beide haben ständig einen verklärten Blick, laufen nur im Doppelpack herum, sind ganz lieb und ganz verliebt, immer händchenhaltend, lachend, küssend, sich nie trennend, nur mit anderen Honigmonden Kontakt aufnehmend, immer nur am Zweiertisch sitzend. Für Honigmonde ist alles"cool, neat, awesome, sweet, super, great and wow". Wir konnten in diesen drei Tagen viel über diese Spezies lernen, regelrechte Studien durchführen. Der Honigmond-Zustand ist allerdings nur temporär, normalerweise dauert er einige Wochen (eventueller Zusammenhang mit der Mondphase nicht ausgeschlossen). Nur in Ausnahmefällen hält ein ganzes Leben :) Für die ethnologische Feldforschung müssen unsere Entdeckungen deshalb als Sensation gewertet werden. Der Zufall wollte es (oder ist es der Lohn eines langen Forscherlebens?), dass wir bei der Geburt zweier Honigmonde anwesend sein konnten. Markus gelangen einige seltene Video-Aufzeichnungen der Entstehung, die wir nun wissenschaftlich untersuchen werden. Heute wollen wir der Wissenschaftscommunity eine kurze Zusammenfassung geben.

Zunächst wird der männliche zukünftige Honigmond mit Blüten bekränzt, dann von einem Offiziellen (staatlich? kirchlich?) und einem mit Tapa-Teppichen behängten Assistenten sowie zwei Adjutanten mit Baströckchen im Taxi zum Strand gebracht. Dort wartet er unter einem Zeltdach, während er einer anwesenden weiblichen Assistentin verschiedene kamaratechnische Instruktionen gibt.Die Assistentin gibt ihm darauf eine kleine Schachtel mit zwei goldenen Ringen. Die Kommunikation zwischen beiden findet fast schreiend statt, da die Kreissäge des benachbarten Surfshops dröhnt.

Kurze Zeit später kommt ein zweites Taxi mit einer weiblichen zukünftigen Honigmond, in ein blassgelbes Vestalinnen-Gewand (Typ: Die letzten Tage von Pompeji) sowie goldene Sandalen ("them golden slippers....") gekleidet. Sie wird begleitet von einer weiblichen Adjutantin, ebenfalls in Tapa gehüllt. Beide Honigmonde in spe treffen sich und schreiten zu einem blumengeschmückten Torbogen am Meer (leider Ebbe, kein Meer mehr da). Der Offizielle spricht nun ein paar Worte, und unter Beifall der anwesenden leichtbekleideten Honigmonde streifen sich die beiden die Ringe über, küssen sich, werden fotografiert. Alle Honigmonde stellen sich in den Kreis und fassen sich an den Händen. Sie murmeln ein Ritual, das wir nicht genau verstehen können (die Kreissäge). Wir vermuten, es handelt sich um eine Intiationsritus. Unsere mit dem Richtmikrophon gemachten Video-Aufnahmen werden nach Auswertung in Zürich darüber genau Auskunft geben können.

Zum Abschluss pflanzen die zwei neuen Honigmonde eine Kokosnuss in den Sand, aus der bereits ein Blatt getrieben ist. Einer der Assistenten steckt ein Holzherz davor in den Boden. Auf diesem Herz sind die Namen der beiden neuen Honigmonde eingeschnitzt. Forever Fiji. (MS)

P.S. Wir sprechen am Abend mit dem nicht mehr ganz jungen Couple, den neuen Honigmonden(36 und 35): beide sind teachers und wollen nächstes Jahr nach Europa an eine International School. Sie sind auch aufgeschlossen, nett und gebildet.(MS)

Honigmonde entstehen
Honigmonde entstehen

Ein Besuch im Dorf Qeleni

31. Juli, nachmittags

Vorbemerkung:Normalerweise darf man nicht ungehindert weder durch melanesische noch durch polynesische Dörfer spazieren, da sie kein öffentlicher Grund sind wie ein europäisches Dorf. Man muss sich als Gast anmelden. Anna empfängt uns am Dorfeingang. Sie ist vielleicht 30 Jahre alt, hat ein Jahr in Suva an der University of the South Pacific studiert und musste dann aus Geldmangel das Studium abbrechen. Sie kam zurück in ihr Dorf, pflegte ihren alten Vater, heiratete und bekam drei Töchter. Heute ist sie, da sie sehr gut englisch spricht, Dorfguide für die Touristen, die hierher einmal wöchentlich kommen.

Frauen müssen langen Rock oder Hosen anhaben, Männer keine Badeshorts. Das Dorf erscheint uns wie aus dem Bilderbuch. Erst müssen wir alle zum Chief und ihn symbolisch um Erlaubnis fragen, ob wir sein Dorf ansehen dürfen. Dazu geben wir ihm ein in Zeitung verpacktes Bündel mit Wurzeln. Er ist nur der Acting Chief, der Big Boss ist im Nachbardorf. Er sieht mit seiner schwarzen Sonnenbrille sehr gefährlich aus, ist aber ein netter alter Mann, der uns eine längere Rede auf fijianisch hält, von der wir nur das "Thank you" übersetzt bekommen, und der uns dann die Erlaubnis gibt, sein Dorf zu besichtigen. Wir dürfen ihn sogar fotografieren. Inzwischen wissen wir, dass die Sonnenbrille auf Fiji dem Chief vorbehalten ist, ebenso die Baseballkappe....(der Lonely Planet hat wieder einmal Recht gehabt!).

Danach machen wir mit Anna den Rundgang und sie erzählt, dass das Dorf historisch zwei Kerne hat, einen methodistischen und einen katholischen. Sie selber ist katholisch und zeigt uns auch die katholische Kirche, St. Angela, ein Steinbau, der sich von den anderen Häusern des Dorfes (Wellblech oder Holzbretter, aber recht gut in Stand) stark unterscheidet. Sie erzählt vom Hurrikan im vergangenen Jahr, während dem alle Dorfbewohner in der Kirche Schutz gesucht haben, und bei welchem keiner starb, aber alle Häuser zerstört wurden. Inzwischen wurden sie alle mit Hilfe der japanischen Regierung wieder aufgebaut.Der Kirchenbau, der erst vor einigen Jahren fertiggestellt wurde, hat fast 15 Jahre gedauert, denn die Kirche ist von ihnen anscheinend bewusst als massiver Steinbau im historistischen Stil (also Missionsstil) gebaut worden und dementsprechend aufwendig gestaltet. Der Pfarrer, der die Gemeinde (besteht noch aus anderen Dörfern) betreut, hat 6 Jahre in Rom verbracht. Dementsprechend hängt dort nicht nur ein Bild von Jesus, Angela und Maria, sondern auch von Johannes Paul (senior brand manager). Die Schule liegt leicht erhöht, hinter dem Dorfplatz und dem Rugbyfeld. Heute ist Samstag und keine Schule, aber wir dürfen alles besichtigen. Das Mathebuch für die 5. Klasse ist vom Erziehungsministerium in Suva herausgegeben und sehr anspruchsvoll. Geometrie, Wurzelziehen, Textaufgaben.Gymiprüfungsstoff. Der gesamte Unterricht findet auf Englisch statt, aber die kleinen Kinder trauen sich gar nicht, die grossen (5.-7.Klasse) erst nach meinem mehrmaligen Ansprechen, mit mir Englisch zu sprechen. Anna sagt, das Problem der Kinder wäre, dass sie einerseits zu scheu seien, eine Fremdsprache zu sprechen, andererseits aber die Praxis dringend benötigten. Die Schule ist recht gut ausgerüstet, hat sogar ein Schulhaus mit Computern von den Rotariern, es fehlt aber eine Fachperson, die ihnen den Umgang damit beibringt. Ein weiteres Schulgebäude wurden vom Roten Kreuz gestiftet - vielleicht nach dem Hurrikan? Die Klassenstärke ist deutlich kleiner als in Indien, Anna spricht von maximal 40 Kinder pro Klasse.

Ansonsten haben vor allem die kleinen Kinder keine Berührungsängste. Sie sind fröhlich, lassen sich fotografieren und spazieren mit uns herum. Sie freuen sich an den Fotos auf den Monitoren unserer Kameras. Auch die Erwachsenen sind zwar zurückhaltend, aber sehr freundlich. Wir sehen verschiedene Tätigkeiten wie das Ernten und Schlagen der Pandanbusblätter, um daraus Tapa zu machen. Einige Männer zelebrieren mit uns die Kava-Zeremonie (Yaqona auf fijianisch). Julius schlägt zu, ansonsten kann ich nur sagen: schmeckt besser als ich es in Erinnerung hatte, und nicht, wie im Lonely Planet beschrieben, nach Spülwasser. Wir kaufen von der Kooperative eine wunderbare Tapaarbeit und ziehen fröhlich von dannen.

Fazit: Wir werden nicht ganz schlau daraus, inwieweit dies eine touristische Inszenierung ist, aber ich glaube es eigentlich nicht. Die Leute waren sehr freundlich aber zurückhaltend, keiner hat gebettelt, keiner uns irgendetwas verkaufen wollen (z.B. einen Softdrink). Der Gang durch das Dorf war wunderbar und gar nicht touristisch abgetreten. Ein Besuch, bei dem wir alle auf unsere Kosten kamen und den wir sehr empfehlen können.Unbedingt haben wir vor, dem Chief die von uns gemachten Fotos der Kinder zu schicken, damit er sie verteilen kann.(MS)

Um fünf zurück und mit Julius mit dem Kajak auf das Meer. Ganz glatt. Das Grün am Ufer.. Abendessen mit Fijianischen Tanz und Musik. Wir erkennen alle Leute wieder aus dem Dorf.

Missionskirche in Tavenui
Missionskirche in Tavenui

Ankunft in Levuka

Sonntag, 1. August - Abschied von Taveuni

Das Wetter wird immer diesiger. Schwül feuchte Luft zieht gegen die Insel. Solange die Wolken nicht am Boden sind, können wir noch wegfliegen. Kurz vor drei werden wir im Maravu mit dem wohl üblichen Gitarrenspiel und Gesang und mit Blumenkränzen verabschiedet. Bye bye Honigmonde. Am kleinen Flughafen geht alles wieder schnell und effizient. Wägen des Gepäckes, der Passagiere und dann kommt die kleine Maschine schon eingeflogen. Etwa eine halbe Stunde zu früh. Trotzdem boarden wir alle gleich, ausser uns noch eine Australierin mit ihrer in Suva lebenden Tochter und ein Paar (keine Honigmonde). Die Australierin kennt einen der Piloten, und der macht nun, unter der Wolkenschicht fliegend, einen grandiosen Sightseeing Flug entlang der Ostküste Taveunis. Aus nächster Nähe und immer wieder in Kurven der Küstenlinie folgend sehen wir zuerst Qeleni, dann Lavena und den Tavoro Wasserfall. Es folgen dutzende andere Wasserfälle im dichtesten Grün des Regenwaldes. Zum Teil fallen sie auch direkt ins Meer. An der Südspitze Taveunis steigen wir auf Reisehöhe, überfliegen bald Koro und Wacaya. Der Anflug auf Nausori Airport im feuchten Dunst. 100 % Luftfeuchtigkeit. Wieder von Hand einchecken für den Flug nach Ovalau. Zu unserer Ueberraschung ist dieses Flugzeug auch ein 18 -Sitzer (und nicht kleiner - so wie damals). Wir heben ab, steigen aber kaum an, so dass wir das Gebiet innerhalb des Reefs deutlich sehen können.

Nach 15 Minuten geht es hinunter. Der Airstrip ist kaum geteert und das Flughafengebäude noch etwas kleiner. Alle Passagiere steigen auf den Mini-Bus, der die Abendmaschine erwartet hat. Nun dauert es doch immer noch vierzig Minuten bis Levuka. Die ungeteerte Strasse windet sich kurvenreich der Küste entlang um auf der anderen Seite der Insel Levuka zu erreichen. Obwohl es Sonntag ist, warten in den Shops der Indo-Fijians und Chinesen entlang der einzigen Hauptstrasse im Ort diverse Händler auf Pakete, die ihnen vom Bus frei Haus angeliefert werden. Frozen Goods in einer Kühlbox, Bündel von Zeitungen (von welchem Tag ?) Postsäcke und andere Pakete. In den Shops scheint auch am Sonntag Abend was los zu sein. Dann fährt der Bus uns und eine junge Engländerin, die einzigen Reisenden, direkt vors Royal Hotel.

Am Abend die paar hundert Meter entlang der Küste, unter den Holzarkaden der Geschäfte und Restaurants. Überall Menschen verschiedensten ethnischen Ursprungs auf der Strasse. Levuka ist auch sichtbar der in den Büchern beschriebene multi-ethnische Schmelzpunkt. Abendessen in Kim's. Hier ist um sieben Uhr volles Haus. Alle Traveller und Expats, aber auch Local Families, scheinen sich hier zu treffen. Wie wir später feststellen, etwa die Hälfte aus dem Royal Hotel. Auch eine deutsche Familie, die hier wohnt, der Vater führt "Ovalau Watersports", den Sohn sehen wir am Dienstag bei unserem Besuch in der Public School. (MH)

The Royal Hotel Levuka

Das älteste Hotel im Südpazifik

The Royal Hotel in Levuka, von vielen so gut beschrieben und gelobt, ist wirklich eine ganze Reise wert. Die Atmosphäre dieses Kolonialhotels aus den 1860ern ist einfach einmalig im ganzen Südpazifik. Von aussen her schlicht, mit der üblichen Veranda und dem Vorgarten, ist dieses typische Clapboard-Haus, wie man hier die Häuser ohne Fenster, dafür mit Holzöffnungen nennt, ein Juwel der Stadt. Wenn man im Hotel logiert, herrscht Royal Hotel Time. Das heisst, alles ist noch 10 mal langsamer als es im ohnehin schon so tranquillen Südpazifik überall ist. Man betritt das Gebäude an der Rezeption, links die Veranda und dahinter die hohen, alten, stilvollen Aufenthaltsräume. Sessel, die wahrscheinlich schon öfters durchgesessen wurden als es Menschen in Levuka gibt, alte Bilder und vergilbte Photos. Hinten dann das Restaurant, ein paar Tische, eine Theke, und eine Glasfront in den Garten. Besonders die Vögel sind hier eine Unterhaltung, wenn man wieder mal lange auf sein Frühstück warten muss.

Die Beschreibung meiner Bibel, des Lonely Planet, geht voll und ganz auf: "The staff range from friendly to....shall we assume hard of hearing?" Es ist Tradition, dass man zuerst mal am Morgen 20 Minuten sitzt und wartet und Zeit zum Aufwachen hat, bis eine Frau mit einer einsamen Speisekarte aus den unergründlichen Hinterräumen des Hotels auftaucht. Von da an muss geht die Rechnung einfach: 10 Minuten pro Bestellung und Konversation mit der Bediensteten, plus 20 Minuten Abstand zwischen jeder Bestellung, den Nachschub Marmelade holt man sich am besten von den Resten vom Nachbartisch, wenn der Toast nicht schon ganz kalt werden soll. Aber ich finde das schön so.

Einfach gesagt, aber ja, es ist einfach toll hier zu wohnen. Diese Art, diese Zeit, so erholsam und ruhig. Hier wird jeder Geduldsfaden auf die Probe gestellt - und hemmungslos gerissen. Nach dem Aufenthalt im Royal ist jeder auch noch so gestresste Europäer völlig kuriert.

Dasselbe Schauspiel wiederholt sich dann an der Rezeption. Das gleiche Glockenmodell, die gleiche Aufschrift: "Service Bell, please Ring". Dazu von der ehrwürdigen Mrs. Richards der Satz über die Glocke an der Fawlty Reception:" That thing doesn't work either!" (Ein Zitat für Insider, für alle Outsider übersetzt: "Please ring the bell and check with the staff"). Und es stimmt. So manch einsamer Traveller wird an einem heissen Nachmittag an der Rezeption stehend gesehen, immer wieder die Glocke läutend und verzweifelt in Richtung Offices schauend. Ein Mann geht zu ihm hin, klopft ihm auf die Schulter und sagt:" Relax, this is the Royal Hotel!"

In der Ruhe ist dann auch eine Partie Snooker auf dem immensen 3x2 Meter Tisch genau das richtige (dauert etwa 2 h bei Anfängern). Der Tisch hat zwar eine Neigung von etwa 5°, aber das Spiel macht trotzdem Spass.

Jeden Abend (8 o'clock sharp) dann die Filmschau, in einem der grossen, halbleeren Aufenthaltsräume. Der kleine Fernseher ist abends der Treffpunkt der Hausgäste, und die Atmosphäre ist unschlagbar. Da wird auch so mancher Schreckensfilm zu einem Genuss, wenn die billige Neonröhre an der Decke flackert, und die Leute enspannt auf den alten Sesseln und abgewetzten Couch Platz nehmen.

Die Zimmer sind im oberen Stock, ein langer schmaler Gang mit hohen Wänden. Die Türen zu den Zimmern sind noch schmaler, und wenn der Reisende das Zimmer betritt, wird klar, dass auch hier nicht alles in heutigen Massstab gebaut wurde. Moskitonetze über den Betten, dann das winzige Waschbecken in der Ecke und die grössere koloniale Sitzecke am Clapboard Fenster. Alles leicht schmuddelig und heruntergekommen, genau das gibt dem Royal seinen unvergleichlichen Charme. (JH)

The Royal Hotel in Levuka
The Royal Hotel in Levuka

Tropical Rain

Montag 2. August Historic Walking Tour

Um halb sieben die Morgensonne. Lautes Gezwitscher der Minabirds und der anderen so typischen tropischen Vögel. Doch dann ziehen Wolken auf und es regnet. Es regnet tropisch. In grossen Schüben, aber warm und weich. Immer wieder Windstösse, die durch die Palmen fahren. Wir schliessen auf der einen Seite unseres Eckzimmers (das berühmte und schöne Zimmer No 1) die Clapboards. Die anderen Fenster bleiben offen. Im Frühstückssaal serviert uns eine der beiden Fijianerinnen das Frühstück. Es dauert sicher zwanzig Minuten, bis alles auf dem Tisch ist. Unsere Tischnachbarn warten noch länger. Pacific Time. Aber was sollen wir auch anderes machen bei dem Regen. Gewitzte Vögel suchen im Frühstückssal Zuflucht und fressen aus den Zuckerdosen. Später sitzen wir im Zimmer und schauen auf den Regen wie die Missionare bei Somerset Maugham. Gegen halb zwölf gehen wir mit Hotelschirmen bewaffnet auf die Strasse. Viele Leute benutzen gar keinen Schirm.

Die wenigen Touristen treffen sich im Community Center - einem schönen kleinen Museum mit öffentlicher Bibliothek, unter den Holzarkaden und zum Mittagessen wieder in Kim's. Dieses Mal haben wir auch einen Tisch auf gedeckten Veranda mit den Klappglasfenstern.

Am Nachmittag gelingt es uns dann, die auch im Lonely Planet beschriebene Walking Tour zu arrangieren. Henry Sahai, das 90 jährige Original aus Levuka schint aber zu krank zu sein. Aber ein Mr. Gibson nimmt sich unser an - und führt und uns die Engländerin über zwei Stunden durch Levuka. (Am nächsten Tag merken wir, dass Mr. Gibson der jetzige Bürgermeister ist und früher Head Teacher der bekannten Levuka Public School war.)

Immer wieder Regenschauer, "torrential rains" - wie in "Rain" von Sommerset Maugham. Am Abend, zum Abendessen dann im zweiten Restaurant des Ortes, dem Whales Tale. Sure enough, auch hier wieder zusammen mit dem Dutzend Traveller. Man kennt sich.

Levuka Public School, Cemetery, College

Dienstag 3. August

Auf den Regen folgt Sonne, so auch hier. Wir verbringen den ganzen Tag in auf den wenigen hundert Metern zwischen dem Royal Hotel und MH (Morris Hedstrom). Höhepunkt ist der Schulbesuch in der Levuka Public School. Diesen hat uns Mr. Gibson gestern, so ganz ohne Mühe, organisiert, als wir ihn nach der Möglichkeit fragten, eine Schule zu besuchen (heute wissen wir ja, wer er ist, und warum das nur einen Wink von ihm benötigte). Eine vollschlanke Vice - Headmistress empfängt uns. Dann organisiert sie mit resoluten Worten, dass sich alle "Form 3"-Kinder, das heisst die ca. 13-15 jährigen, in einem Klassenzimmer versammeln. Die Bänke werden nach draussen gestellt und dann sitzen alle ca. 100 Kinder auf den Stühlen, wir vier ihnen gegenüber. Die resolute Vice - Headmistress will absolut, dass die Kinder uns ein Lied vorsingen. Niemand getraut sich. Dann droht sie. Und nun stimmt Alena, welche uns schon vorher keck angesprochen hatte, ein Lied an - und die meisten singen brav mit. Dann geht die Lady, sie wolle nicht den Fluss der Unterhaltung brechen. Wir erzählen kurz über die Schweiz, Europa, und dann fordern wir sie auch zum Fragen auf. "Please tell us something personal about you ?", "What, there are no more boarders in Europe ?". Es gibt auch zwei weisse Kinder in dem Jahrgang, der deutsche Junge, dessen Vater den "Ovalau Watersports" führt und ein Mädchen aus Australien, das hier für ein Jahr in die Schule geht und bei seiner Grossmutter, die aus Levuka stammt, wohnt.

Julius und Victoria erzählen über ihre Schulen und dann reden wir über Sportarten, die hier und bei uns gespielt und unterrichtet werden. Es kommen auch andere Fragen, als wir sie vielleicht bei uns hören würden: "Was wisst ihr über Fiji ?, Was sind Euer kultureller und religöser Hintergrund?". Vor allem Alena fragt immer wieder und hält die Diskussion am Laufen. Nach einer Stunde verabschieden und bedanken wir uns und eine Klassensprecherin (Indo Fijianerin) dankt uns im Namen aller Kinder.

Das Erlebnis, das insbesondere den Kindern gut gefallen hat, lässt uns den Rest des Tages nicht mehr los, zumal wir in der Town auch ständig Kinder treffen, die in der "Form 3" sind.

Nachmittags gibt es ein kurzes Shoppen in den Gemischtwarenläden der Indo-Fijians, dann der Besuch des Cemetery, auf welchem man die ganze Geschichte Levukas "nachlesen" kann. Zum Abschluss eine schöne Fahrt die Küste entlang zum berühmten College, dem ersten Fijis, zu dem heute noch nicht nur fijianische Kinder, sondern auch ausländische kommen.(MH,MS)

Levukas langer Weg in die Unesco Heritage Liste

Von allen Orten, die wir auf unserer Reise wiedergesehen haben, hat sich Levuka am wenigsten verändert. Markus und ich, wir Romantiker, empfinden das als schön, aber in Wirklichkeit ist es ein Zeichen für die schwierige Situation, mit der die kleine Stadt zu kämpfen hat. Die Thunfischfabrik, zwischenzeitlich geschlossen, nun als von den Amerikanern übernommen ("Bumble Bee") wieder in Betrieb, ist die Lebensader der Stadt. 800 der 3000 Einwohner sind dort beschäftigt. Ohne sie wäre Levuka eine Ghost Town, genauso wie sie es nach dem Zusammenbruch des Cobra-Handels Anfang des 20.Jh. wurde.

Für die Einwohner ist also der Thunfischgestank der Duft des Lebens. Die Schweine der Meere werden hier in kleine Dosen verpackt und in grossen Containern in die ganze Welt geliefert. Wir müssen uns an den Gestank gewöhnen, eigentlich nur drei Tage aushalten. Es stinkt, je nach Windrichtung, bestialisch nach Fisch. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder eine Dose Thunfisch zu öffnen, nachdem ich mehrmals sogar nachts von dem atemberaubenden Gestank wachgeworden bin.

Die chinesischen Trawler, die der Fabrik die Fische liefern, liegen rostig im Hafen, genau wie in Nuko'alofa. Chinesische Seemänner lärmen durch die Strassen - nicht anders ist es wohl vor 150 Jahren gewesen, als Levuka zur Hauptstadt von Fiji wurde. Es heisst, dass damals die einfahrenden Schiffe ihren Weg durch das Riff mit Hilfe der leeren Rum und Gin-Flaschen fanden, die in der Lagune herumdümpelten! Haudegen aller Länder trafen sich in Levuka, und das für über 100 Jahre.

Der Friedhof ist ein wunderbares Beispiel für das friedliche und auch nicht so friedliche Miteinander (bis in den Tod hinein). Gräber von deutschen Emigranten (Frau Krafft aus Düren ruht hier in fremder Erde, sie führte hier anscheinend eine Schenke), britische Offizielle, allen voran der Tax Commissioner, chinesische Händler. Muslimische Gräber, hebräische Inschriften, indische Einwanderer. Dieser Friedhof ist eine wahre Fundgrube. An ihm kann wunderbar nacherlebt werden, dass diese Hafen- und Handelsstadt des Südpazifiks und spätere erste Hauptstadt Fijis ein Schmelztiegel war.

Statt Levuka wurde Suva später zur Hauptstadt - unter anderem, weil Levuka zwischen Meer und hochaufragenden Vulkanen zu wenig Landfläche hatte - sogar zu wenig, um jeder Religionsgemeinschaft einen eigenen Friedhof zu ermöglichen. So finden wir hier einen gezwungenermassen multikulturellen, multiethnischen, multireligiösen Friedhof, nicht nur bei uns unvorstellbar.

In der kleinen Dependance des Fiji Museums von Levuka (ca. 30 qm, 6 grosse Schaukästen, 2 Vitrinen) erlebten wir folgende Szene mit: Chinesische Seeleute kommen mit dem Panzer einer Meeresschildkröte und wollen sie dem Museum verkaufen. Die Mitarbeiterinnen und anwesenden Fiji Trust Leute aus Suva lehnen ab. Die Chinesen, die offensichtlich kein Wort Englisch sprechen ausser "Money", lassen aber nicht locker. Mit Zeichensprache beschreiben sie, dass sie auf dem Schiff noch einen riesengrossen Schildkrötenpanzer haben. Die Damen des Museums bleiben stoisch gelassen und ruhig, lehnen einfach immer weiter ab, den Panzer zu kaufen, wird aber sind empört. Auch in Fiji ist der Handel mit Schildkrötenpanzern illegal, das scheint die Chinesen aber nicht zu stören. Als sie endlich gehen, sprechen wir noch mit den Mitarbeiterinnen über den Vorfall.

Mir wurde dabei deutlich, wie tolerant die Museumsmitarbeiterinnen zu den Chinesen waren. Ich hätte nach einigen Minuten empört zumindest das Wort "Illegal" oder "Criminal" fallengelassen in der Hoffnung, dass sie das verstehen. Aber hier in Levuka waren Ruhe und Gelassenheit immer notwendig, denn hier kamen seit über 150 Jahren auf kleinstem Raum so viele verschiedene Menschen zusammen. Und dass die chinesischen Seeleute offensichtlich keinerlei Sinn für Artenschutz haben, wird eben auch akzeptiert.

Die Mitarbeiterinnen des Museums arbeiten mit den zwei anderen Frauen vom Fiji National Trust, die beide bei uns im Royal wohnen, die wir daher bereits kennen und mit denen wir uns viel unterhalten haben, am Projekt Unesco World Heritage. Das ist schon seit 10 Jahren im Gange, aber laut Mr. Gibson (unser Tour Guide und Bürgermeister), noch nicht mal bei Step One des Antrags angekommen.

Die Frau vom Fiji Trust erklärt es uns so: Die Unesco Liste entstand quasi mit eurozentrischem Blick. Erst einmal wurde "Athen im 200 km Radius" geschützt, dann Europa, dann langsam Denkmäler wie Angkor Wat, auf anderen Kontinenten. Den Pazifik hat man aber schlicht vergessen, zumal es hier erstens viel weniger physische Hinterlassenschaften gibt und zweitens diese vielleicht auch nicht unseren "humanistisch-akademischen" - eurozentrischen? - Ansprüchen genügten.

Jetzt aber sind Orte wie Levuka ins Interesse der Unesco World Heritage gerückt. Allerdings müssen hochkomplizierte, langwierige Bewerbungsverfahren durchgeführt werden (ich stelle mir vor, das ist ähnlich wie bei den Olympischen Spielen), mit denen so kleine Orte nicht nur finanziell einfach überfordert sind. Zumal wechseln ständig die Volunteers, die am Projekt arbeiten, denn sie sind vielleicht maximal zwei Jahre, nicht aber die nötigen zehn Jahre darin involviert.

Einzig Mr. Gibson behält die Ruhe und die Übersicht - erscheint aber nicht nur skeptisch, sondern auch ein wenig resigniert. Die Uhr tickt für Levuka. Solange die Thunfischfabrik stinkt, gibt es jedoch eine Galgenfrist für die kleine verschlafene Hafenstadt mit ihren Holzhäusern, den indischen und chinesischen Händlern, dem Morris Hedstrom Trader, dem alten Kino, den steinernen Kirchen, dem grossartigen Friedhof. Die Freimaurerloge von 1845 ist vergangenes Jahr abgebrannt, ein wunderbares Beispiel für klassizistische koloniale Bauten. Sie überlebt als Ruine, und vielleicht hat sie eine Chance, da sie ein recht massiver Steinbau ist. Die alte Town Hall wird bereits restauriert. Der Ovalau Club, der erste Club auf Fiji und im Südpazifik, gegründet von deutschen und britischen Kolonialisten Ende des 19. Jahrhunderts, hält sich tapfer. Der Brief vom Graf von Luckner, der hier inkognito als Reisejournalist unterzutauchen versuchte (umsonst, die Briten haben ihn geschnappt) hängt immer noch an der Bar.

Wir sehen aber auch Verfall, alte Clapboard Häuser vom Anfang des 20. Jh. im Besitz von Auslands-Levukanern. Aber im grossen und ganzen ist es noch das gleiche Bild wie vor 15 Jahren.

Auch das Royal Hotel, obwohl die Ashley-Familie, die es in der 3. Generation leitet, Nachfolgeprobleme hat. Die alte Frau Ashley ist erst vor kurzem hochbetagt gestorben, und ihr Sohn, der das Hotel zumindest damals führte, als wir vor 15 Jahren dort waren, ist 37-jährig gestorben. Falls niemand in der Familie in der Lage sein wird, das Hotel weiterzuführen, will die Familie es dem Fiji National Trust übergeben. Das Bedürfnis ist also vorhanden, das Hotel zu erhalten - auch von staatlicher Seite.

Das Royal Hotel, über das Julius ja bereits geschrieben hat, möchte ich nur noch ganz kurz charakterisieren: wer die Schatzinsel von Stevenson gelesen hat und den Admiral Benbow kennt, muss sich das Royal Hotel einfach als pazifische Version dieser Seemannsspelunke mit Übernachtungsmöglichkeit vorstellen. Die Männer und Frauen, die hier im 19.Jh. eingekehrt sind und übernachtet haben, müssen jedenfalls vom gleichen Schlag gewesen sein: Seebären, Walfänger, Händler, Glücksritter, Abenteurer. Und bigotte Missionare, Betschwestern und halbseidene Damen, koloniale Beamten auf der Durchreise, Südseeforscher, Schriftsteller, Südsee-Romantiker. Heute Traveller, Individualtouristen, Volunteers und Mitarbeiter vom Fiji Trust und anderen Government Organisationen. Vodafone Fiji oder ein Rugby Team aus Viti Levu. Alle atmen den verlebten, abenteuerlichen Geruch des Royal ein. Unvergesslich, vor allem in Verbindung mit Thunfisch.(MS)

Pacific Time on Treasure Island

Mittwoch, 4. August bis Samstag morgen, 7. August

Der Kulturschock konnte für uns alle nicht grösser sein. Kontrastprogramm. Nach kurzem Flug von Levuka nach Suva, dann Weiterflug von Suva nach Nadi und dort direkter Busanschluss zum Boot nach Treasure Island. Aus der romantischen Vergangenheit in Levuka direkt in Fijis Touristenzentrum, die Inseln vor der Küste Nadis. Back to the Future. Unsere Kinder, insbesondere Julius, brauchen einige Zeit, sich einzugewöhnen. Nach unseren intensiven Erlebnissen in Levuka sind wir erst so richtig am 2. Abend hier "angekommen". We're on island time. Dann aber geniessen wir die Zeit richtig, mit Snorkeling, Coral Viewing, Fish Feeding, Island Hopping, Kayaking, Minigolfing. Das Wetter spielt mit, wir haben Glück und 3 Tage Sonne und Wind. Wir haben Zeit, einmal wieder Wäsche zu waschen und diese Webpage weiterzuführen.(MS)

Pacific Time on Treasure Island
Pacific Time on Treasure Island

20.000 Meilen unter dem Meer

Ganz so tief unten waren wir nicht, Markus, Julius und ich. Es handelt sich vielleicht um 20 cm unter der Wasseroberfläche. Victoria war mit dem Bootsmann im kleinen Boot geblieben und beobachtete uns von dort aus. Wir drei schnorchelten am Outer Reef. Für Markus und mich war das eine völlig neue, sensationelle Erfahrung. Wir haben zwar schon einmal eine Brille und Flossen angehabt, uns aber noch nie richtig getraut, weit heraus zu schnorcheln und für längere Zeit unter Wasser zu bleiben. Heute waren wir hier am Aussenriff von Treasure Island. Das Meer war ziemlich bewegt, und mit uns dreien schnorchelten noch eine Australierin und zwei Neuseeländer. Alle wie wir auch Anfänger, und das war gut, denn das gab uns allen ein Gemeinschaftsgefühl (und keiner musste sich schämen). Die ersten Minuten unter Wasser waren die aufregendsten. Das Adrenalin schoss in die Höhe, mein Herz klopfte wie wild. Rechts neben mir die grossen Korallenkliffs des Riffs, links die Tiefe des Meeres. Ich musste mich dauernd bezähmen, nicht an den "Weissen Hai" oder ähnliches zu denken.....
Wir schwammen ein wenig über das Riff. Da keine Flut mehr war, war unser Abstand zu den Korallen sehr gering, viel zu gering. Eco-Tours gehen, wenn überhaupt, nur bei Flut zu den Riffs, und es gibt strenge Regeln: kein Berühren von Korallen, kein Abbrechen, kein Fischefüttern. Wir haben uns an all diese Regeln, gelesen im Lonely Planet (einmal mehr unsere Bibel), strengstens gehalten. Die Korallen, obwohl noch geschädigt durch den Hurrikan, der vor 2 Jahren genau hier durchging, haben uns sehr beeindruckt. Es gab sie wirklich in allen Farben, vor allem in Gelb und Blau. Allerdings haben sie nicht so postkartenmässig geleuchtet. Anscheinend tun sie das ohnehin nur nachts. Wie immer auch, ich bin keine Expertin, aber mir hat das, was ich gesehen habe, durchaus genügt. Ich fand die Formen und Farben der Korallen sehr beeindruckend.
Und dann die Fische - in allen Farben und Formen, hunderte um uns herum. Von streichholzschachtelklein bis zu A 4 Grösse haben wir alle möglichen Riff-Fische gesehen. Neonfarbig, zebragestreift, knallgelb, pastellfarben. Tiefblaue Seesterne, durchsichtige Fische.
Am Aussenriff machten Julius und ich dann doch noch Bekanntschaft mit einem Hai. Er war allerdings nur 20 cm lang, ein Babyshark. Der Bootsmann sagte uns, sie seien wie blind und würden nur ihren Temperatursensoren folgen. Der kleine Hai kam also zu uns und hat sowohl bei Julius und mir ein bisschen geknabbert, bei mir am Badeanzug, bei Julius an der Haut. Das haben wir recht cool genommen.
Unglaublich beeindruckend fand ich es am Schluss, einfach aus dem Wasser zu schauen in die bewegten Wellen und mir vorzustellen, dass ich schiffbrüchig sei. Schon bei so leichtem Seegang sieht man nichts mehr, kann sich nicht orientieren. Wenn ich in die falsche Richtung schaute, waren alle meine Schnorchelkollegen verschwunden. Ein aufregendes Gefühl, so für mich alleine im Pazifik zu schwimmen.....(das Boot war 20 Meter entfernt). Wie Robinson es wohl - unbehelligt von Haien - zu seiner Insel geschafft hat? (MS)

Aitutaki Lagoon aus der Saab 340
Aitutaki Lagoon aus der Saab 340