Samoa

Samoa: Upolu, Savai'i

15.7.

Halb drei Uhr morgens. Die Air New Zealand landet auf der einzigen Piste des Flughafens von Samoa. Nach einer sanften Landung fährt das Flugzeug zum Ausladeplatz. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, kam uns sofort ein Hauch schwüle Luft entgegen. Stickig, schwüle Luft. Erst jetzt merkte ich es richtig, ich bin auf Samoa! Nach der üblichen Kontrolle, kamen wir auf den Vorplatz des Flughafens. Es war drei Uhr morgens eines gewöhnlichen Werktages und am Flughafen von Samoa tummelten sich hunderte von Leuten! Meist waren es nur die Chauffeure der Hotelbusse, aber auch sonst waren dort erstaunlich viele Leute. Beim Bus, mussten wir noch auf die anderen Gäste warten. Unter diesen war auch die Crew unseres Flugzeuges! Die Stewardess Frances, die ich auf dem Flug schon so nett gefunden hatte, war auch dabei. Nach einer sehr langen Autofahrt kamen wir endlich im Hotel an. In der Lobby waren schon die ganze Crew und alle anderen Gäste. Ich war soooo müde, dass ich kaum noch stehen konnte. Endlich wurden wir zu unserem Bungalow geführt. Dieses mal gab es keine Probleme wie mysteriöse Kleider oder ungemachte Betten (siehe L.A)! Es fehlte zwar ein Bett, das dann aber sehr schnell geliefert wurde. Ich zog nur noch mein Nachthemd an, putzte mir die Zähne (muss ja sein!) und plumpste in mein Bett. Inzwischen war es zwar schon halb fünf, aber wenigstens bekam ich noch ein bisschen Schlaf. Endlich! (VH)

LAX - Check Counter ANZ: auf einmal sind sie wieder da, diese grossen, dunklen, weichen Menschen. Viele von ihnen, dutzende, junge und alte, mit viel Gepäck. Ich sehe sie nie in Europa, selten selbst in Amerika - dazu gibt es zu wenige, aber hier, beim Check in für Samoa und Tonga, sind sie da, auf dem Weg nach Hause. Polynesier! Polynesien liegt in der Luft, und Vorfreude, auch bei uns! Der Flug in die Nacht mit ANZ 57. Links auf einmal der Grosse Wagen, als ob er uns den Weg weist durch die völlige Dunkelheit. Noch nie hat mich ein Sternbild so beruhigt! Doch der Pilot findet den Weg, und auf einmal, um 3 Uhr morgens, liegt sie da, die Coast Line von Samoa, ein paar Strassenlampen baumeln im Wind. Wir atmen auf: Land in Sicht! 170 Grad West, 14 Grad Süd! Samoa. Der Regen, der uns auf der Insel begrüsst, entwickelt im Laufe des Vormittags literarische Qualität. "It did not pour, it flowed", so beschrieb es Somerset Maughaum in seiner Kurzgeschichte "Rain", die auf Samoa (Pago Pago) spielt. Auch uns, müde von Jet Lag und jenseits jeglichen Zeitgefühls, bleibt an diesem ersten Vormittag kaum mehr zu tun, als auf das Ende des Regens zu warten. (MS)

Kaum treten wir aus der Flugzeugtür auf die Gangway und gehen die herangeschobene Treppe hinunter auf das Vorfeld ist es wieder da: Das Südseegefühl. Wie damals, vor fünfzehn Jahren, der hohe Ton des Hilfsaggregates (eine Flugzeugturbine muss den Strom selber produzieren - und wird deshalb nicht ganz "abgestellt"), der Schlag warme und feuchte Luft ins Gesicht. Wenige Meter zu Fuss ins auf allen Seiten offene Empfangsgebäude (es wird ja nie kalt hier), kurze formlose Pass- und Zollkontrollen und dann warten aufs Gepäck - bei Südseemusik von der Life-Band. Nur etwa fünfzig Leute sind aus der 787 hier ausgestiegen. Der Rest fliegt wohl weiter "runter", nach vor allem Tonga oder Auckland.

Im wie immer zu kühlen Bus dann die ersten Regengüsse. Von der Strasse sind die Samaoanischen traditionellen Häuser gut sichtbar. Offene, von den das Dach stützenden Pfählen umgebene ovale Grundfläschen, auf denen sich das ganze Leben im Haus abspielt. Hier und da sehen wir auch Leute die schlafen (am Boden, auf Matten).Aber immer wieder Licht und Leute die wach sind - morgens um halb vier. Aber es stimmt: Je näher wir Apia kommen, umso mehr hat es auch die üblichen leichten Südsee Konstruktionen: Clapboard Houses mit Wänden und den horizontalen auf- und zu klappbaren Fensterlamellen.

Hotel Aggie Grey's. Die Südseelegende. Bereits am ersten Abend geraten wir in die allwöchentliche Fiafia - eine Musikshow mit Barbecue. Auf der Bühne Tanzen, Singen, viel Spass und dann wird auch Marina Grey, die Schwiegertochter von Aggie, angekündigt. Eine eher mittelalterliche Dame mit hochgebundenen Haaren, hochhackigen Schuhen, einer Hikisbusblüte im Haar (Julius sagt, sie sähe aus wie Frau K., seine Tanzlehrerin) bewegt sich zu einer Südseemusik und präsentiert dann die jungen Leute auf der Bühne ("all these young beautiful virgins, some with six children and still virgins.... , and these young men .."). Sind übrigens alles "Members of Staff", von den über dreihundert Angestellten.

Den Tag durch haben wir uns südseemässig langsam an den Rhythmus hier unten angewöhnt. Wunderbar warme Regengüsse, Frühstück um 10 (nach kurzem Schlaf von fünf bis neun), Gang durch Apia und kurz mit dem

Taxi zu Robbie oder, respektvoller, Sir Robert. So wird er hier von den Einheimischen genannt: Robert Loius Stevenson. Die Villa Vailima, sein Wohnhaus in den grünen Hängen über Apia mit einem Blick bis hinaus zur Brandung am Riff ist seit 1995 ein Museum. Auf unserem ersten Besuch in 1988 war es immer noch Sitz der Regierung. Wir sind alleine auf der Führung durch die authentisch wiederhergestellten Räume. Auf den überdeckten Terrasse eine grosse Ruhe.

Auf der Fahrt zur Villa Vailima überall die Schulkinder in den farbigen Uniformen der Strasse entlang. Farbige rote und blaue Punkte im saftigen Grün der gleissenden Sonne, dann graue Schauer und wieder weisse Nebel.

Apia selber hat sich wenig geändert ausser: Autos! Die sind jetzt überall. Die Busse sind immer noch farbig und fahren immer noch mit lauter Musik (jetzt aber mehr Bässe und weniger "Volksgesang").Eine Ansammlung von Häusern am Wasser, die Hauptort spielen. (MH)

Return to Paradise

15. Juli 2004

Wir sind heute um die halbe Insel gefahren. Am Schluss gingen wir noch an einen Beach. Die hiess Return to Paradise Beach. Es gibt auch einen Film, der so heisst. Der Strand, der Himmel war blau, es war einfach wunderbar. Am Strand fand ich ganz viele angespülte Korallen. Sie waren wunderschön. Es gab ein paar grosse, feste und ein paar kleine, feine.

Ich baute ein Korallenschloss. Julius baute eine Sandburg und versuchte immer wieder, sie so aufzubauen, dass das Wasser sie nicht wegspülen konnte. Es war lustig, ihm zuzusehen, wie er immer hin und herlief und versuchte, die Sandburg am Leben zu erhalten. Am Strand waren ganz viele Kokosnüsse wegen den Palmen, die rundherum standen. Julius warf eine ins Meer, aber nach fünf Minuten kam sie wieder zurückgespült, so stark waren die Wellen. Hinter dem Strand fanden wir eine Sau und ganz viele kleine Ferkelchen. Wie süss! Julius versuchte, sie anzulocken, aber er hatte kein Essen in der Hand, also kamen die Schweine auch nicht. Schade, ich hätte so gerne eines mal in die Arme genommen! Nach einer Stunde wurde es uns zu heiss und die Flut kam auch schon. Auf dem Weg zurück stoppten wir bei einem kleinen Kiosk and der Landstrasse am Meer. Wir kauften bei den zwei älteren Leuten Fanta und Chips.

Dort gab es keine Cola, was mich sehr erstaunte, weil ich glaubte, dass es Cola eigentlich überall auf der Welt geben würde. Die Leute hatten einen Hund, der Bong hiess. Ich hatte ein bisschen Angst vor ihm und hielt mich zurück. Aber wie viele andere Hunde auf Samoa war er ein sehr lieber Hund. Dort hatte es auch wieder eine Schweinchenfamilie. Die war aber noch grösser und noch süsser. Ich und Julius wollten sie unbedingt mitnehmen, und dieses mal meinten wir es ernst. Doch erstens liessen sie sich nicht einfangen, und zweitens erlaubten es und Martina und Markus nicht. (VH)

Apia-Cross-Island Road vorbei an Vilimia-Papapapa-tai Wasserfall - Südküste- O Le Pupu-Pue National Park - Saleilua-in Iliili ans Meer - Mittagshalt in Coconut Beach Club - Return to Paradise Beach in Matautu - dem Meer entlang Gagaifoolevao, Savaia, Faleaseela (durch die erste Furt) - Falelatai - rund um den Nordwest-Teil, am Flughafen vorbei - Apia.

Die Strasse ist geteert und erlaubt das Kreuzen von einem Bus und einem Auto. Links und rechts grüne Grasbänder, manikürt, kurzgeschnitten, wie in einer gepflegten Gartensiedlung. Links und rechts, locker gestreut die einzelnen Häuser. Es gibt keine Zufahrten zu den Häusern. Es hat hier auf dem Land auch gar keine Autos. Die Menschen gehen zu Fuss oder mit den farbigen Bussen. Langsames Fahren ist nicht nur vorgeschrieben, es ist auch nötig. Die (einzige) Strasse ist der Gehweg der lokalen Bevölkerung.


Schulkinder in allen Farben Schuluniformen, Landarbeiter, alle gehen sie mitten auf der Strasse. Alle traditionellen Häuser sind auf den Seiten offen, nur ein von Holzstämmen getragenes Dach. Auch die neueren Häuser haben oft keine Fenster oder die klappbaren Glaslamellen. In jedem Dorf mindestens ein Steinhaus: Die Kirche. Es gibt Dutzende von Kirchen, von fast jeder Denomination. Oft halten wir auf der Strasse an und schauen uns um. Ganz anders , als in Indien oder sonst in Asien: Niemand kommt zu einem; man sieht überhaupt wenig Menschen um die Häuser herum. Es ist absolut friedlich - ein garten Eden.

Abend an der lärmigen Beach Road in Apia im ersten Stock des 140 Jahre alten Kolonialgebäudes. "Sails Restaurant" - gemäss Lonely Planet "the restaurant". Das Essen ist ok, aber der Lärm der Autos und der drei(!) Musikbars im unteren Stock der drei nebeneinanderliegenden Lokale ist doch ein bisschen viel.

Savai'i

17. Juli 2004

Um 12 Uhr Mittags legte die Queen Samoan II am Hafen von Fährhafen nach Savaii ab. Hunderte von Samoanern sasssen eng zusammen auf den kleinen Holzbänken. Wer war mittendrin? Natürlich, Familie Hugelshofer! Wir waren die einzigen Weissen. Nicht ganz! Am Fernsehen dröhnte lautstark ABBA mit Fernando. Samoanische Gesichter starrten auf den Bildschirm, während Sängerin Agneta ihre Hüften schwang. Das Schiff schaukelte unglaublich. Mir wurde so übel, dass ich beinahe die Kotztüte, die ich immer noch vom Flug Zürich-Heathrow hatte, benutzte. Während die alten, samoanischen Frauen auf dem Boden tief und fest schliefen, versuchte ich mich abzulenken, in dem ich versuchte, zu schlafen. Das ging nicht. Erstens war die Bank, auf der ich und Mama sassen, zu klein und zweitens dröhnte am Fernsehen jetzt nicht mehr ABBA, sondern ein spannendes Rugbyspiel. Ob es spannend war, wusste ich nicht so genau aber ich merkte es indem ich in die Gesichter aller Samoaner schaute. Es war anscheinend sehr aufregend und unterhaltsam. Die Schifffahrt dauerte insgesamt 1 Stunde und verlief eigentlich sehr gut - bis auf die Geschichte mit der Übelkeit. (VH)

Wir sind mit dem Mietauto auf die Fähre gefahren. Sie legte pünktlich ab. Links Manono und dann Apolima. Und steuerbord voran Savai'i, "the Cradle of Polynesia". Die Gipfel der alten Krater sind von Wolken umhüllt. Unten am Ufer gleissende Sonne, schon von fern die grossen weissen Kirchen der einzelnen Orte. Das Riff, welches auch diese Insel umgibt, wird bald klar sichtbar. Die Fähre steuert auf ein Loch zu und durchbricht die starken Wellen - dann ist es plötzlich ganz ruhig. Wir sind in der Lagune. Kurze Fahrt gegen Norden. Das Siufaga Resort von einem italienischen Dottore - einem der angeblich wenigen Italiener-Samoaner - ist so leer, dass wir dann doch in das "very basic" Safua Hotel fahren. (Aber wir essen eine Spaghetti und trinken einen Espresso - aus der angeblich einzigen Espresso Maschine der Insel). Im Safua ein äusserst freundlicher Empfang und im Office sitzt wirklich die Moelangi Jackson - eine der wenigen weiblichen Chiefs -hier gemäss Reiseführer mit sieben Chief-Titeln - oder wie man das benennt. Die Unterkunft: Ein Fale, mit löcherigen Moskito screens - mitten im Grünen und zwischen Dutzenden von Hühnern mit kleinen Küken. (Vita muss sich zuerst wieder daran erinnern, dass sie das ja von der Schulreise her kennt). Ein Gang durchs Dorf. Der Strasse entlang. Ein saftig grünes, ganz kurz geschnittenes Rasenband, dann dickblättrige gelb-rot-grüne Pflanzen, oft auch schattenspendende Bäume. Dahinter die Säulenhäuser. Eine meist ovale oder auch rechteckige Plattform aus poliertem Stein oder Holz. Ringsherum Säulen, die das gerundete Dach tragen. In einigen dieser traditionellen Häuser wird noch gewohnt: Matten, Küchengerätschaften und einzelne Möbel. Oft stehen aber hinter oder neben dieser Häuser Gebäude mit Wänden und oft auch mit Lamellen-Klapp-Fenstern. Und alles in leuchtenden Farben: rot, gelb, blau grün rosa , lila . Immer wieder sticht die Sonne durch und beleuchtet alles wie mit Kinoscheinwerfern direkt vor den schwarzen Wolken, die abwechselnd auf- und wieder abziehen. Und alles ist schwül feucht warm. Oft sind direkt vor den Häusern die Gräber der Ahnen. Hüfthohe rechteckige Pyramiden mit Stufen, teilweise auch richtige Sarkophage, manchmal keine Häuschen mit Dach, Blumen und sogar Vorhängen. Die Ahnen sind ständig anwesend, Teil des Familienlebens! Aus einem Haus ertönen samoanische und europäische Schlager.

Draussen spielen die Kinder auf den Gräbern. Weiter vorne ein Vailima Kiosk . Eine chinesisch-samoanische Frau verkauft uns Cola (hier gibt es also - aber keine Reklame dafür). Der "Samoa Oberserver" berichtet über den Rücktritt des Chefs von Samoatel - und warum fünf Expats auch gegangen sind (Samoatel ist die Telefongesellschaft mit dem grossen Neubau in Apia - und die auch Post spielen - denn sie verkaufen als einzige Briefmarken). Am Abend wird ein samoanisches Essen aufgetischt - köstlich! Brotfrucht, Taro, Gemüse, Fisch, Hühnchen. Alles schmeckt frisch, aromatisch und teilweise richtig lecker, auch für unsere Gaumen (MH)

18. Juli 2004

Die Nacht war kühler und angenehmer als gedacht. Nur ein Hahn meinte bereits um drei Uhr morgens , der Tag sei angebrochen. Um Sieben stehen dann aber auch wir auf. Hinter der Küche ist der Sohn von Moelangi bereits daran, umu , das traditionelle Sonntagsmahl zuzubereiten. Die halbierten Kokosnüsse werden auf einem am Sitz befestigten spitzen Pfahl ausgekratzt. Dann wird diese geraspelte Kokosnuss mit den Kokosbastfäden von Hand ausgepresst: Die dickflüssige Kokoscreme wird in ein Becken geleert und später mit den Taro Blättern (wie frischer Spinat) zu einem Päckchen verpackt. Die ausgepressten Kokosraspel werden als Hühnerfutter auf den Boden gestreut. Gleichzeitig wird der Lavaofen angeheizt. Und Taro und Brotfrucht werden in Bananen- und Palmblätter eingewickelt. Einiges später wird das Schweinefleisch, dann die Taro und Brotfrucht und zuletzt , zuoberst (damit es amwenigsten heiss wird) auch in Bananenblätter eingewickelter Fisch auf die heissen Lavasteine geschichtet. Alles wird mit Palmblättern zugedeckt. Unterdessen aber gehen wir alle in die Kirche, welche so ungefähr nach acht anfängt. Die Frauen erhalten noch wunderschöne Hüte von Moelangi . Eine Neuseeländer Familie und ein holländisches Ehepaar kommen auch noch mit. In der Kirche sitzen wir hinten, nahe bei den offenen Glaskamellenfenstern. Draussen das saftige Grün, Hühner und gleissende Morgensonne. Drinnen der Chor und der Prediger, der auch uns Palangi kurz auf Englisch begrüsst und für uns die Textstellen aus der Bibel angibt (wir kennen den Inhalt dann ja auswendig ....) Nach einer kurzen Stunde ist der Gottesdienst beendet und die ganze Gemeinde, im schönsten Sonntagsstaat - meistens weisse lange Kleider für die Frauen und Anzüge für die Männer, tritt auf den grünen Rasen und geht bald ruhig der Strasse entlang nach Hause. Auch wir gehen nach Hause und sitzen im Gemeinschaftsfale (Fale heisst Haus auf samoanisch). Und unterhalten uns mit den anderen Gästen Dann werden wir gerufen um das Aufdecken des umu mitzuerleben. Das ganze Essen ist auf dem Lavaofen in einem Gang gebraten und gekocht worden. An der langen Tafel sitzen wir und hören vor allem auch Moelangi zu. Später fahren wir weiter nach Manase. "Stevenson's at Manase" und beziehen eines von vier Beach Fale (no 4 , zwei Doppelbetten), direkt an der Beach und Blick in den Pazifik , wahrscheinlich hat es oberhalb nur noch die Beringstrasse. Etwas später ein Spaziergang durchs Nachbardorf, in welchem drei Kirchen nebeneinander stehen. (MH)

Allen Wirbelstürmen haben sie getrotzt und stehen hier an der schmalen Strasse am Meer in einem kleinen Dorf auf Savai'i, riesig, mächtig, festungsartig, einfach unglaublich. Hinten drückt der Dschungel, vorne rauscht das Meer, aber Dorf ist sonntäglich ruhig. Kinder kommen aus den Gärten und bestaunen uns. Am Vailima Kiosk trinken wir eine Ananas-Fanta. "Bye-bye" rufen die Kinder. (MS)

Samoa - die Farbe Grün

17.7.2004

Noch nie habe ich so viele Variationen zu der Farbe Grün gesehen wie in der vergangenen Woche. Grün ist eine Komplementärfarbe, gewiss, aber die Nuancen, die wir auf unserer Rundfahrt auf Upolu und nun auf Savai'i gesehen haben, waren umwerfend! Ich habe noch nie im Leben Pflanzen - ohne Blüte - fotografiert. Aber in der vergangenen Woche! Ich hoffe, die Fotos können ein bisschen von dieser Lebendigkeit und Kraft auffangen, die die Vegetation hier hat. Das Grün wächst einfach über alles drüber. Manche Blätter wachsen - wie in einem Märchenland - einfach aus dem Boden - und sind so gross wie ein Badehandtuch!. Daneben riesige Banyan-Bäume, völlig von Schlingpflanzen bewachsen. Brotffruchtbäume stehen hier an den Strassenrändern und den Vorgärten wie bei uns Kastanien. Ihr Grün ist wunderschön dunkel, die Blätterer gross, ein bisschen dem Feigenblatt ähnlich. Und die Brotfrucht schmeckt mir besonders gut - sie ist kein Brot und sie ist keine Frucht, sie schmeckt unverwechselbar. Vergleichbar vielleicht mit einer Süsskartoffel. Ganz ähnlich die Taro - sie wächst wie eine Knolle (?) aus dem Boden, (und hat wiederum riesige Blätter). Der Regenwald, den wir gesehen haben, war beeindruckend für uns alle und doch nicht bedrohlich. Riesige Bäume, Schlingpflanzen, gelegentlich eine rote oder gelbe Blüte, einige Palmen (Kulturpflanzen?), von Schlingpflanzen eingepackt. Die Feuchtigkeit war unglaublich - es nieselte leicht, dazu Nebel, Wolken, gelegentlich ein Strahl von Sonnenlicht. Vogelgezwitscher (Papageien?) ergänzte diese Sinneserfahrung. Leider hat auch hier der über 3000 Jahre alte Regenwald gelitten. Die Samoaner brauchen Kulturland für ihre Pflanzen und Tiere (Kühe zwischen Palmen - ein Bild, das uns in seiner Bukolik an das Marais Poitevin im Westen Frankreichs erinnerte). Wir konnten genau feststellen, wie plötzlich im Naturwald eine Fläche abgeholzt war und dort irgendwann einmal Palmen anpflanzt worden sind. Die Palme, für uns Europäer sonst Sinnbild der Tropen, erscheint uns hier eher als Sinnbild der Zivilisation! Komisches Gefühl. Die Samoaner pflanzen in ihren Dörfern unzählige Zierpflanzen, unseren Zimmerlinden (gibt es diesen Begriff noch?) nicht unähnlich - jedenfalls Zierpflanzen, die in sich oft mehrere Schattierungen von Grün tragen, von weisslich über gelblich bis rötlich grün. Diese Pflanzen dienen wie bei uns als Hecken zur Strasse, aber auch zum Nachbarn. Dazwischen natürlich immer wieder solche Pflanzen, die riesige rote Blüten tragen, Blüten in der Form von kleinen Weihnachtsbäumen, orchideenartige Blüten. Blüten regnen einfach vom Himmel an manchen Bäumen! Viele Frauen und selbst Schulmädchen stecken sich Blüten hinter die Ohren, das ist kein Klischée, sondern natürlicher Schmuck. (MS 17.7.)

Samoa - die Farbe Weiss

Die Farbe Weiss ist Farbe des Sonntags. An diesem Tag gehen praktisch alle Samoaner in eine der unzähligen Kirchen. Jedes Dorf hat nicht nur eine Kirche, sondern sicher drei. Es gibt verschiedene Denominationen, aber die Congregational Church ist die grösste Kirche Samoas (daneben gibt es Latter Day Saints, Catholics, Adventists, Protestants, Mormons und andere). Wir sahen ganz kleine Kirchlein, einem Versammlungshaus nicht unähnlich, frisch und naiv bemalt, mit Pflanzen im Vorgarten. Dann wieder grosse moderne Kirchen, deren Kirchtürme fast aussahen wie ein moslemisches Minarett in Malaysia, nur kleiner. Und dann die grossen, alten Kirchen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die Missionskirchen eben, mit riesigen neobarocken und neogotischen Fassaden. Diese riesigen Schiffe, die weithin sichtbar sind, wirken sogar auf uns ungeheuer beeindruckend. An der Existenz dieser Kirchen kann man den Erfolg der Missionierung regelrecht ablesen.

Die polynesische Kultur hatte kaum Steinmonumente (der Tempel von Raiatea auf Tahiti und hier eine grosse Tempel(?)ruine auf Savai'i sind die grossen Ausnahmen). Alles, was die Polynesier in der vorchristlichen Zeit bauten, war extrem anfällig gegen das Klima (Wirbelstürme inbegriffen). Solche grossen Steinmonumente, die mit Hilfe der Missionsgesellschaften oder gar des Papstes hier gebaut wurden, müssen einen ungeheuren Eindruck gemacht haben, weil sie viel weniger wetteranfällig und so überproportioniert gross waren und noch heute sind. Der Erlösungsgedanke, der in der christlichen Religion vermittelt wurde, kam dem Bedürfnis der Polynesier ebenfalls gelegen, denn dieser fehlte auch in ihrer Naturreligion. So stehen diese christlichen Schiffe seit über 100 Jahren in den samoanischen/polynesischen Dörfern und zeugen von einer (vergleichsweise) geglückten, zumindest friedlich verlaufenen Missionierung. Samoa is founded on God- so bezeichnen die Samoaner heute ihr Land. Für uns Besucher dieser Kultur wird das sichtbar am Sonntag, dem Tag des Herrn, den die Samoaner, wie alle Polynesier des "Bible Belt" von Tonga, Samoa und den Cook Islands, in der Kirche, auf Verwandtenbesuch und beim Essen verbringen. Schon um 8 Uhr findet der erste Kirchenbesuch statt. Es sind noch nicht alle Dorfbewohner unterwegs, weil viele Frauen noch mit dem Kochen beschäftigt sind (ab Mittags darf nicht mehr gekocht werden).

Auf der Dorfstrasse sieht man die Kirchenbesucher auf die Kirche zuspazieren, Frauen in weissen Kleidern mit riesigen weissen Hüten, Männer im Lavalava oder -selten- in dunklen Hosen, aber mit weissem Hemd. Alle Kinder ebenso weiss angezogen. Auch wir trugen Hut! Moelagi (vom Savua Hotel) hatte Victoria und mir einen Hut geliehen, den wir mit Stolz trugen, und wir sassen mit Julius und Markus in den hinteren Reihen der kleinen Congregational Church von Lalomalava. Langsam kamen die Kirchenbesucher in den Raum und setzten sich, Mädchen und Frauen zumeist auf die linke Seite, Jungen und Männer auf die rechte Seite, der gemischte Kirchenchor, zu dem auch Moelagi gehört, setzte sich in die Mitte. Die Feier fand auf samoanisch statt, der Pastor jedoch verwies sicher an drei Stellen auf englisch auf die Besucher, begrüsste uns, kommentierte für uns den Psalm, den der gerade zitierte und gab uns am Schluss der Predigt auch eine kurze Inhaltsangabe. Es ging um das "Certificate of Patience", das wir nicht an der Universität erwerben können, das aber genau so eine wichtige Qualifikation ist wie jeder Bachelor's Degree! Passt nicht schlecht zu uns Vieren, diese Predigt. Dieses Zertifikat können wir wirklich gebrauchen. Der Gesang war grossartig und polyphon! Dabei wurden nicht nur traditionelle Kirchenlieder gesungen. Der Chorleiter trug mit sichtbarem Stolz mit seinem Chor die Version eines bekannten Popsongs vor (etwas wie Abba).

Die Pa(pa)lagi, das sind wir: die aus der Sonne gebrochenen, die hellhäutigen Menschen. Gesprochen wird das Palangi, man schluckt das zweite "pa" und macht aus dem "g" ein "ng". Wenn wir in ein Dorf kommen, per Auto oder auch zu Fuss, hört man es überall, das flüsternde "palangi" oder auch "pa'angi". Vor allem die Kinder wispern es untereinander, kichernd und scheu: Bye-bye, Palangi, Bye-bye. (Bye-Bye verwenden sie als Begrüssungs- und Verabschiedungsformel, also wie Hallo und Tschüss). Die mutigen unter ihnen kommen zu mir, rufen, noch schüchtern "Bye-bye". Sie lassen sich (nachdem ich darum gebeten habe) gerne fotografieren. Als ich ihnen auf dem Bildschirm das Foto zeige, wird daraus ein Happening, alle wollen sich nun fotografieren lassen, weil sie sich anschliessend im Monitor bestaunen können. Palangi, Palangi, rufen sie, und: Bye-bye. (MS 18.7.)

19. Juli

Die Nacht war mondlos und sternenklar. Um halb drei - per Zufall - gerade traumlos, dann draussen im Sand am Meer. Kein Licht weit und breit (der Strom ist auch gerade ausgegangen). Nur die Brandung am Riff und das leichte Plätschern des Wassers am Ufer. Und millionen von Sterne.

Frühstück um halb acht und Fahrt in den wilden Westen, zum Kap Mulinu, dem westlchsten Punkt diesseits der Datumsgrenze. Weiter westlich gibt es nur noch morgen. Voher auf dem "canopy walk" im regenwald bei Falealupo Mittagessen im derelikten Hotel Vaiasala (auch hier sind wir die einzigen Gäste).

Wieder ein Bad in der Lagune und gegen Abend die von Lava (1905) verschüttete Kirche in Saleaula.Der Lavafluss durch das Kirchentor und die Abdrücke des heruntergestürzten Kirchendaches sind wirklich sichtbar. Etwas weiter nördlich bei Salai ein Schild "swimming turtles".

Nach fünfhundert Metern Fahrt auf einem Feldweg und an eher ärmlichen Hütten vorbei, eine grosse Lagune und ein Frischwasser Pond. In der tummeln sich Seeschildkröten und ein haufen amerikanischer Touristen . Ein absurdes Bild in der Abendsonne.

20. Juli
Von Menase nach Salelologa, dem Hauptort.Die 10 Uhr Fähre ist doch schon voll, und so warten wir auf die 14 Uhr Fähre (für die wir vorgebucht haben - was angesichts des grossen Andrangs auch ein guter Entschluss war). Hier herrscht eine Südsee-Outpost Romantik. Eine ANZ und eine Westpac Filiale, ein "MH" (Molesi - nicht mehr Morris Hedstroem, wie vor fünfzehn Jahren), und einige "Trader-Deposits". Dann auch eine richtige kleine "Mall" - eine gedeckte Halle mit einigen Läden (und dem "Jetover Motel"). Auf der gegenüberliegenden Strassenseite der Markt. Davor dutzende von farbigen Bussen, die von hier aus auf die ganze Insel fahren.

Die Fähre fährt um 14 Uhr - ist aber dieses Mal die kleine Variante und es hat richtig heftigen Wellengang auf der kurzen Ueberfahrt (1 1/2 Stunden). Nach Apia und kurz im Markt für letzte Einkäufe. Ein erfrischendes Schwimmen in "Aggie's" (ja, es gibt hier eine half day rate (von 1600 bis 2 Uhr morgens) die wirklich auch "half the rate " ist!). Wieder ein Abendessen in "Giordano's" - schon ganz wie die einheimischen "expats" und jetzt warten wir im "Aggie's" bis uns der Bus gegen 2 Uhr morgens auf den Flughafen zum Weiterflug nach Tonga bringt.

ACHTUNG: Da es in Tonga anscheinend keine direkten Anschlüsse ins Netz gibt, melden wir und erst wieder ca. 28. Juli von Fiji